Frühlingspilze
Frühlingspilze sind Pilzarten, die in den ersten wärmeren Monaten des Jahres wachsen und sich an die noch kühlen, feuchten Bedingungen des Frühjahrs angepasst haben. Frühlingspilze erscheinen typischerweise zwischen März und Mai und schließen sich damit übergangslos an die Hochsaison der Winterpilze an. Sie sind oft in Laubwäldern, auf Wiesen und an Waldrändern zu finden und umfassen einige besonders begehrte Speisepilze.
Welche Pilze wachsen im Frühling?
Die Pilzsaison beginnt nicht erst im Spätsommer oder Herbst. Bereits im Februar und März erscheinen die ersten typischen Frühlingspilze, bevor im April und Mai die Artenvielfalt deutlich zunimmt. Zu den bekanntesten Frühlingspilzen gehören Morcheln, Märzschneckling und Maipilz. Daneben erscheinen im Frühjahr aber auch auffällige Becherlinge, Schopftintlinge, Schwefelporlinge und die hochgiftige Frühjahrslorchel.
Wann genau ein Pilz erscheint, hängt stark von Region, Höhenlage, Bodenfeuchtigkeit und Witterungsverlauf ab. Ein warmer Frühling kann die Saison deutlich vorziehen, während lange Frostperioden sie nach hinten verschieben.
Ein besonders geschätzter Frühlingspilz ist die Morchel (Morchella spp.). Morcheln erkennt man an ihrem auffällig wabenartigen Hut. Sie wachsen bevorzugt in feuchten Wäldern, aber auch in Parks oder Gärten. Häufig finden sie sich in der Nähe von Laubbäumen wie Eschen oder Ulmen. Morcheln haben einen intensiven, erdigen Geschmack und eine fleischige Konsistenz, die sie zu einer kulinarischen Delikatesse machen. Da diese Mykorrhiza-Pilze roh giftig sind, müssen sie immer gründlich gegart werden.
Der Märzschneckling (Hygrophorus marzuolus) zählt ebenfalls zu den Frühlingspilzen und kommt meist in montanen und subalpinen Wäldern vor. Er hat einen glatten, dunkelgrauen Hut und wächst oft gut versteckt unter Laub oder Nadeln auf sauren Böden. Der Märzschneckling ist begehrt, da er noch vor vielen anderen Pilzarten fruchtet. In Deutschland kommt dieser Pilz jedoch nur noch selten vor und gilt als sehr gefährdet. Sein mildes Aroma und seine zarte Textur eignen sich gut für Suppen und Pfannengerichte.
Der Maipilz (Calocybe gambosa), auch „Mai-Ritterling“ genannt, wächst auf Wiesen und an Waldrändern und ist an seinem weißen bis cremefarbenen Hut sowie seinem charakteristischen mehligen Geruch erkennbar. Er hat eine feste Struktur und einen würzigen Geschmack, der gut zu gebratenen oder eingelegten Gerichten passt.
Frühlingspilze von Februar bis Mai
| Pilzart | Feb | Mär | Apr | Mai | Typischer Standort | Speisewert |
|---|---|---|---|---|---|---|
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Samtfußrübling Flammulina velutipes |
● | ○ | Laubholz, Stümpfe und geschwächte Bäume | Essbar bei sicherer Bestimmung | ||
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Zinnoberroter Prachtbecherling Sarcoscypha coccinea |
● | ● | ○ | Feuchte Laubwälder, morsches Laubholz | Kein typischer Sammelpilz; gefährdete Art | |
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Märzschneckling Hygrophorus marzuolus |
○ | ● | ● | ○ | Montane Nadel- und Mischwälder | Essbar, in Deutschland stark gefährdet |
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Spitzmorchel Morchella elata agg. |
○ | ● | ● | Wälder, Parks, gestörte Böden und andere geeignete Standorte | Essbar nur vollständig gegart | |
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Speisemorchel Morchella esculenta agg. |
○ | ● | ● | Auwälder, Parks, Gärten und nährstoffreiche Böden | Essbar nur vollständig gegart | |
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Käppchenmorchel Morchella semilibera |
● | ● | Feuchte Laubwälder und Auenbereiche | Essbar nur vollständig gegart | ||
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Frühjahrslorchel Gyromitra esculenta |
○ | ● | ● | Vor allem sandige Kiefernwälder und gestörte Böden | Giftig – nicht verzehren | |
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Maipilz Calocybe gambosa |
○ | ● | Wiesen, Waldränder, Hecken, Parks und Obstwiesen | Essbar bei sicherer Bestimmung | ||
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Schopftintling Coprinus comatus |
○ | ● | Wiesen, Gärten, Parks und nährstoffreiche Wegränder | Jung essbar | ||
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Schwefelporling Laetiporus sulphureus |
● | Laubbäume wie Eiche, Weide oder Obstgehölze | Jung und vollständig gegart essbar |
● = typische Saison ○ = je nach Region, Höhenlage und Witterung ebenfalls möglich
Welche Pilze findet man im Februar?
Der Februar gehört noch überwiegend zur Saison der Winterpilze. Bei milder und feuchter Witterung können weiterhin Samtfußrüblinge, Judasohren oder Austernseitlinge erscheinen. Zu den ersten typischen Vorboten des Frühlings gehören außerdem verschiedene Kelchbecherlinge. Der leuchtend rote Zinnoberrote Prachtbecherling kann bereits im Februar auf morschem Laubholz in feuchten Wäldern auffallen.
Der Märzschneckling kann in geeigneten Regionen ebenfalls sehr früh erscheinen, teilweise sogar noch zwischen Schneeresten.
Welche Pilze wachsen im März?
Im März beginnt die eigentliche Frühlingspilzsaison. Besonders in tieferen und wärmeren Lagen können jetzt die ersten Morcheln erscheinen. Typisch für diesen Zeitraum sind außerdem Märzschneckling, rote Kelchbecherlinge und gegen Monatsende auch die Frühjahrslorchel.
Die genaue Entwicklung hängt stark vom Wetter ab. Mehrere milde Tage reichen allein nicht aus – besonders für viele Bodenpilze ist ausreichend Feuchtigkeit entscheidend.
Welche Pilze wachsen im April?
Der April ist einer der interessantesten Monate für Frühlingspilze. Jetzt beginnt in vielen Regionen die eigentliche Morchelsaison. Speisemorcheln, Spitzmorcheln und Käppchenmorcheln können je nach Standort erscheinen. Gleichzeitig wächst jedoch auch die giftige Frühjahrslorchel.
Gegen Ende April erscheinen außerdem bereits die ersten Maipilze und Schopftintlinge.
Welche Pilze wachsen im Mai?
Im Mai erreicht die Frühlingssaison ihren Höhepunkt und geht zunehmend in die frühe Sommerpilzsaison über. Morcheln können weiterhin gefunden werden, während der Maipilz nun besonders typisch ist. Auch der Schopftintling erscheint zunehmend auf Wiesen und nährstoffreichen Böden.
An geeigneten Laubbäumen können außerdem bereits die ersten jungen Schwefelporlinge wachsen.
Morcheln – die bekanntesten Frühlingspilze
Morcheln gehören zu den begehrtesten Speisepilzen des Frühjahrs. Besonders bekannt sind Speisemorchel, Spitzmorchel und Käppchenmorchel. Typisch ist ihr auffällig strukturierter Hut mit tiefen Gruben und erhabenen Rippen. Dadurch entsteht die charakteristische wabenartige Oberfläche. Morcheln erscheinen in Mitteleuropa hauptsächlich im Frühjahr. Die Hauptsaison liegt meist im April und Mai, wobei erste Exemplare bei günstiger Witterung bereits im März gefunden werden können.
Wo findet man Morcheln?
Die verschiedenen Morchelarten stellen unterschiedliche Ansprüche an ihren Standort. Deshalb gibt es nicht den einen typischen „Morchelwald“.
Mögliche Fundorte sind beispielsweise:
- Auwälder und Flussauen
- lichte Laubwälder
- Parks und Gärten
- Streuobstwiesen
- Waldränder
- gestörte oder frisch bearbeitete Böden
- Rindenmulch und andere anthropogen beeinflusste Standorte bei einzelnen Arten
Sind Morcheln Mykorrhizapilze?
Morcheln pauschal als Mykorrhizapilze zu bezeichnen, ist nach aktuellem Forschungsstand zu stark vereinfacht. Die Gattung Morchella besitzt eine komplexe Ökologie. Für verschiedene Arten gibt es deutliche Hinweise auf eine saprotrophe Lebensweise, bei der organisches Material als Nährstoffquelle genutzt wird. Andere Untersuchungen zeigen wiederum Beziehungen zu lebenden Pflanzen, beispielsweise endophytische oder mykorrhizaähnliche Interaktionen.
Eine klassische Ektomykorrhiza, wie sie beispielsweise von Steinpilzen bekannt ist, lässt sich deshalb nicht pauschal auf alle Morcheln übertragen.
Warum können Morcheln trotzdem bei bestimmten Bäumen wachsen?
Die Nähe zu Eschen, Ulmen, Obstbäumen oder anderen Gehölzen kann mit Bodenbeschaffenheit, organischem Material, Mikroklima und komplexen biologischen Wechselwirkungen zusammenhängen. Eine regelmäßige Fundhäufigkeit bei einer bestimmten Baumart ist deshalb noch kein Beweis für eine klassische Mykorrhiza.
Morcheln sind roh giftig – niemals roh essen
Morcheln müssen vor dem Verzehr vollständig und gründlich gegart werden.
Nach dem Verzehr roher oder unzureichend gegarter Morcheln können unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und neurologische Beschwerden auftreten. Auch sehr große Mengen vollständig gegarter Morcheln können bei empfindlichen Personen Beschwerden auslösen. Deshalb sollten Morcheln grundsätzlich nur in angemessenen Mengen gegessen werden.
Auch getrocknete Morcheln müssen vor dem Verzehr wieder ausreichend erhitzt werden.
Morchel oder Frühjahrslorchel – woran erkennt man den Unterschied?
Eine der wichtigsten Gefahren beim Sammeln von Frühlingspilzen ist die Verwechslung von echten Morcheln mit der Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta). Beide erscheinen zur gleichen Jahreszeit und können auf den ersten Blick eine ähnlich ungewöhnliche Hutform besitzen.

| Merkmal | Echte Morchel | Frühjahrslorchel |
|---|---|---|
| Hutoberfläche | Regelmäßig grubig und wabenartig | Unregelmäßig hirnartig gewunden und gefaltet |
| Farbe | Je nach Art gelblich, beige, grau- bis dunkelbraun | Typischerweise rotbraun bis dunkel kastanienbraun |
| Innerer Aufbau | Fruchtkörper im Längsschnitt typischerweise weitgehend hohl | Hut und Stiel stärker unregelmäßig gekammert und gefaltet |
| Typischer Standort | Je nach Art sehr unterschiedlich, beispielsweise Auwälder, Parks oder gestörte Böden | Besonders sandige Kiefernwälder und gestörte Böden |
| Essbarkeit | Speisepilze, aber nur vollständig gegart | Giftig – nicht essen |
Frühjahrslorchel nicht durch Abkochen „entgiften“
Die Frühjahrslorchel enthält Gyromitrin beziehungsweise daraus entstehende giftige Hydrazinverbindungen. Vergiftungen können Magen-Darm-Beschwerden sowie schwere Schäden an Leber, Nieren und Nervensystem verursachen. Historische Zubereitungsmethoden mit Abkochen und Wegschütten des Wassers machen den Pilz nicht zuverlässig sicher.
Die Frühjahrslorchel sollte deshalb grundsätzlich nicht verzehrt werden.
Märzschneckling – einer der frühesten Waldpilze
Der Märzschneckling (Hygrophorus marzuolus) gehört zu den klassischen Pilzen des zeitigen Frühjahrs. Seine Fruchtkörper können bereits sehr früh im Jahr erscheinen und liegen teilweise zunächst unter Laub, Nadeln oder sogar Schneeresten verborgen. Typisch sind graue bis dunkelgraue Hüte und helle, relativ dicke Lamellen. Die Art wächst vor allem in montanen Nadel- und Mischwäldern.
In Deutschland ist der Märzschneckling selten und wird in der Roten Liste als stark gefährdet geführt. Auch wenn er grundsätzlich als Speisepilz gilt, sollte er deshalb aus Naturschutzgründen stehen gelassen werden.
Maipilz – der Klassiker im Mai
Der Maipilz beziehungsweise Mairitterling (Calocybe gambosa) gehört zu den bekanntesten Speisepilzen des späten Frühjahrs. Er kann bereits ab April auftreten, seine Hauptsaison liegt jedoch im Mai. Man findet ihn häufig auf Wiesen, an Waldrändern, unter Hecken, in Parks oder Obstgärten.
Typisch sind der cremeweiße bis blassgelbliche Hut, dicht stehende helle Lamellen und ein auffälliger mehlartiger Geruch. Der frühe Erscheinungszeitpunkt ist zwar ein wichtiger Hinweis, reicht für eine sichere Bestimmung aber nicht aus.
Achtung bei weißen Frühlingspilzen
Der Maipilz besitzt giftige Verwechslungspartner. Besonders wichtig ist der Ziegelrote Risspilz beziehungsweise Inosperma erubescens, der ebenfalls im Frühjahr erscheinen kann und stark giftig ist.
Weiße oder cremefarbene Wildpilze sollten deshalb niemals allein anhand der Jahreszeit oder des vermeintlichen Mehlgeruchs als Maipilz bestimmt werden.
Weitere typische Frühlingspilze
Zinnoberroter Prachtbecherling
Der Zinnoberrote Prachtbecherling (Sarcoscypha coccinea) gehört zu den auffälligsten frühen Pilzen. Seine leuchtend roten, becherförmigen Fruchtkörper erscheinen besonders im Februar und März auf morschen Zweigen in feuchten Laubwäldern.
In Deutschland gilt die Art als gefährdet und sollte nicht gesammelt werden.

Schopftintling
Der Schopftintling kann bereits im April erscheinen und wächst dann bis weit in den Herbst hinein. Typische Fundorte sind nährstoffreiche Wiesen, Gärten, Parks und Wegränder. Essbar sind nur sehr junge Exemplare mit noch vollständig weißen Lamellen.
Schwefelporling
Ab Mai beginnt auch die Saison des Schwefelporlings, international als Chicken of the Woods bekannt. Junge Fruchtkörper sind leuchtend gelb bis orange und wachsen konsolenartig an verschiedenen Laubbäumen. Für Speisezwecke werden nur junge, sicher bestimmte und vollständig gegarte Fruchtkörper verwendet.
Wo findet man Frühlingspilze?
Im Frühjahr lohnt es sich, gezielt unterschiedliche Lebensräume abzusuchen. Viele Arten sind wesentlich stärker an bestimmte Standorte gebunden als klassische Herbstpilze.

Typische Fundorte im Frühjahr
Auwälder und feuchte Laubwälder:
Morcheln, Käppchenmorcheln und verschiedene Becherlinge.
Sandige Kiefernwälder:
Unter anderem Frühjahrslorchel – deshalb besondere Vorsicht bei vermeintlichen Morcheln.
Wiesen, Parks und Obstgärten:
Maipilz und später Schopftintling.
Montane Nadel- und Mischwälder:
Märzschneckling.
Alte Laubbäume:
Ab Mai beispielsweise Schwefelporling.
Morsches Laubholz:
Im zeitigen Frühjahr verschiedene auffällige Kelchbecherlinge.
Frühlingspilze sicher sammeln
Eine frühe Jahreszeit schützt nicht vor Giftpilzen. Gerade im Frühjahr wachsen mit der Frühjahrslorchel und verschiedenen Risspilzen Arten, deren Verwechslung schwerwiegende Folgen haben kann. Für den Verzehr sollte deshalb niemals ausschließlich nach Jahreszeit, Farbe oder Standort bestimmt werden.
Entscheidend ist immer die Kombination aller relevanten Merkmale. Dazu gehören beispielsweise Hutform, Lamellen oder andere Strukturen der Hutunterseite, Stiel, Geruch, Anschnitt, innerer Aufbau und Standort. Bei Morcheln kommt hinzu, dass auch eine korrekt bestimmte Art niemals roh oder nur leicht erhitzt gegessen werden sollte.
Im Zweifel: Pilz prüfen lassen
Ein Foto oder eine Pilz-App reicht für die Freigabe zum Verzehr nicht aus. Wer bei einem Wildpilz unsicher ist, sollte ihn nicht essen und den vollständigen Fund von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen persönlich bestimmen lassen.