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Arten

speisepilze-pilzarten

Die Welt der Pilze umfasst eine erstaunliche Vielfalt mit über 120.000 wissenschaftlich beschriebenen Arten, wobei Forscher davon ausgehen, dass es weltweit mehrere Millionen verschiedener Pilzarten gibt. Diese Organismen treten in unzähligen Formen und Farben auf und sind für das Gleichgewicht in der Natur unverzichtbar.

Pilze unterscheiden sich grundlegend von Pflanzen und Tieren, da sie ihre Nährstoffe durch das Zersetzen organischer Materialien aufnehmen. Sie spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem, indem sie Abbauprozesse unterstützen und Nährstoffe im Boden freisetzen.

Die wichtigsten und bekanntesten Pilzarten lassen sich in Speisepilze, Giftpilze und Vitalpilze unterteilen, wobei jede dieser Kategorien eine Vielzahl weiterer Unterteilungen und Überschneidungen umfasst.

Wie lassen sich Pilzarten einteilen?

Pilze können auf ganz unterschiedliche Weise in Gruppen eingeteilt werden. Im Alltag geschieht das häufig danach, ob eine Art essbar oder giftig ist. Biologisch ist diese Einteilung jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten.

Pilzarten unterscheiden sich beispielsweise im Aufbau ihrer Fruchtkörper, in ihrer Lebensweise und in ihrer Verwandtschaft. Ein Steinpilz und ein Champignon sind beide beliebte Speisepilze, unterscheiden sich in ihrem Aufbau aber deutlich voneinander. Gleichzeitig können zwei äußerlich sehr unterschiedliche Pilzarten eine ähnliche ökologische Aufgabe erfüllen.

Für einen ersten Überblick lassen sich Pilze deshalb aus mehreren Blickwinkeln betrachten:


Pilzarten nach dem Aufbau ihrer Fruchtkörper

Bei Großpilzen ist insbesondere die Unterseite des Hutes ein wichtiges Merkmal. Dort befindet sich bei vielen Arten die sporenbildende Schicht. Je nachdem, wie diese aufgebaut ist, werden Pilze im alltäglichen Sprachgebrauch häufig verschiedenen Gruppen zugeordnet.

Diese Einteilung nach der Form des Fruchtkörpers ist vor allem zur Orientierung hilfreich. Sie entspricht nicht immer einer biologisch abgeschlossenen Verwandtschaftsgruppe. Für die genaue Bestimmung einer Pilzart müssen deshalb stets weitere Merkmale berücksichtigt werden.

roehrenpilz

Lamellenpilze

Lamellenpilze besitzen auf der Unterseite des Hutes zahlreiche blattartige Lamellen. Auf ihnen werden die Sporen gebildet. Zu den bekannten Vertretern gehören Champignons, Austernpilze, Fliegenpilze und viele Täublinge.

Form, Farbe und Anordnung der Lamellen können wichtige Hinweise bei der Bestimmung einer Pilzart geben.

→ Mehr über Lamellenpilze

Röhrenpilze

Bei Röhrenpilzen befindet sich unter dem Hut keine Lamellenschicht, sondern eine meist schwammartig wirkende Schicht aus vielen feinen Röhren. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Steinpilze, Maronenröhrlinge und verschiedene Hexenröhrlinge.

Gerade unter den bekannten heimischen Speisepilzen finden sich zahlreiche Röhrlinge.

→ Mehr über Röhrenpilze

Porlinge

schwefelporlingPorlinge bilden ihre Sporen ebenfalls in röhren- beziehungsweise porenartigen Strukturen. Anders als die klassischen Röhrlinge wachsen viele Porlinge jedoch direkt an Holz und bilden konsolen-, krusten- oder fächerförmige Fruchtkörper.

Bekannte Beispiele sind der Schwefelporling und verschiedene Baumporlinge. Viele Arten spielen eine wichtige Rolle beim Abbau von Holz.

Stoppelpilze

Stoppelpilze besitzen auf der Unterseite ihrer Fruchtkörper weder Lamellen noch einen klassischen Schwamm. Stattdessen tragen sie kleine Stacheln oder „Stoppeln“, auf deren Oberfläche die Sporen entstehen.

Ein bekannter Vertreter ist der Semmelstoppelpilz. Die Stacheln auf seiner Hutunterseite sind ein auffälliges Bestimmungsmerkmal.

Bauchpilze

Bei sogenannten Bauchpilzen entstehen die Sporen zunächst im Inneren eines meist geschlossenen Fruchtkörpers. Erst mit zunehmender Reife gelangen sie nach außen.

Typische Beispiele sind Boviste und Stäublinge. Der Begriff beschreibt dabei vor allem die Form und Art der Sporenbildung und keine einheitliche moderne Verwandtschaftsgruppe.


Pilzarten nach ihrer Lebensweise

Eine weitere wichtige Einteilung beschäftigt sich damit, woher ein Pilz seine Nährstoffe erhält. Dabei lassen sich drei grundlegende Lebensweisen unterscheiden.

Saprophyten – die Zersetzer

Saprophytisch lebende Pilze ernähren sich von abgestorbenem organischem Material. Sie bauen beispielsweise Holz, Laub oder andere Pflanzenreste ab und führen darin enthaltene Nährstoffe wieder dem natürlichen Kreislauf zu.

Zu den Saprophyten gehören viele Pilze, die sich auch gut kultivieren lassen. Austernpilze und Shiitake können beispielsweise Holz beziehungsweise holzhaltige Substrate als Nährstoffquelle nutzen.

→ Mehr über Saprophyten

steinpilzeMykorrhizapilze – Partner der Pflanzen

Mykorrhizapilze leben in enger Verbindung mit den Wurzeln von Pflanzen oder Bäumen. Pilz und Pflanze tauschen dabei Nährstoffe miteinander aus: Der Pilz kann die Pflanze unter anderem bei der Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen unterstützen und erhält im Gegenzug energiereiche Kohlenstoffverbindungen.

Zu den bekanntesten Mykorrhizapilzen gehören Steinpilze und viele Röhrlinge. Ihre enge Bindung an lebende Wirtspflanzen ist einer der Gründe, weshalb sich zahlreiche typische Waldpilze nicht so einfach wie Austernpilze oder Champignons kultivieren lassen.

→ Mehr über Mykorrhiza

Parasitäre Pilze – Leben auf Kosten eines Wirtes

Parasitäre Pilze besiedeln lebende Organismen und entziehen ihnen Nährstoffe. Bei Großpilzen sind häufig Bäume betroffen. Manche Arten können lebendes Holz über Jahre besiedeln und dabei Krankheiten oder Holzfäule verursachen.

Die Grenzen sind jedoch nicht immer eindeutig: Einige Pilzarten können zunächst parasitisch an einem lebenden Baum wachsen und später als Zersetzer im abgestorbenen Holz weiterleben. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Hallimasch.


Ständerpilze und Schlauchpilze – die biologische Einteilung

Auf einer grundlegenderen biologischen Ebene gehört ein großer Teil der bekannten Großpilze zu zwei großen Gruppen: den Ständerpilzen und den Schlauchpilzen.

Bei den Ständerpilzen (Basidiomycota) entstehen die geschlechtlichen Sporen an mikroskopisch kleinen Strukturen, den sogenannten Basidien. Zu dieser Gruppe gehören viele bekannte Hutpilze wie Champignons, Steinpilze, Seitlinge und Fliegenpilze.

Bei den Schlauchpilzen (Ascomycota) entstehen die Sporen dagegen in schlauchförmigen Zellen, den sogenannten Asci. Bekannte Vertreter sind beispielsweise Morcheln und Trüffel.

Für Pilzsammler ist diese biologische Einordnung im Alltag meist weniger wichtig als sichtbare Merkmale des Fruchtkörpers. Sie zeigt aber, dass äußerlich ähnliche Pilze nicht zwangsläufig eng miteinander verwandt sein müssen.


limonenpilz-fertigkulturWildpilze und Zuchtpilze

Eine für Küche und Pilzzucht besonders praktische Unterscheidung ist die zwischen Wild- und Zuchtpilzen.

Wildpilze wachsen ohne gezielten menschlichen Anbau in ihren natürlichen Lebensräumen. Dazu gehören beispielsweise Steinpilze, Pfifferlinge, Maronenröhrlinge und zahlreiche weitere Wald- und Wiesenpilze.

Zuchtpilze lassen sich dagegen gezielt auf geeigneten Substraten kultivieren. Champignons, Austernpilze, Shiitake oder Kräuterseitlinge werden deshalb heute weltweit professionell angebaut und können auch zuhause gezüchtet werden.

Nicht jeder Speisepilz ist automatisch ein Zuchtpilz. Gerade viele Mykorrhizapilze sind für ihre Entwicklung so eng an lebende Pflanzen gebunden, dass eine kontrollierte Kultivierung erheblich schwieriger ist.


Pilzarten nach Speisewert & Inhaltsstoffen

Speisepilze

Essbare Pilzarten, bekannt als Speisepilze, sind wichtige Bestandteile der Ernährung und werden aufgrund ihres Geschmacks und Nährwerts geschätzt. Der Champignon (Agaricus bisporus) ist weltweit eine der bekanntesten Arten und der hierzulande meistverwendete Kulturpilz.

Im asiatischen Raum ist hingegen der Shiitake (Lentinula edodes) der wohl beliebteste Speisepilz. Er zeichnet sich durch ein besonders kräftiges Umami-Aroma aus. 

Zwar gibt es zahlreiche Pilzarten, die als essbar gelten, jedoch beschränkt sich die tatsächlich genutzte Vielfalt auf wenige Dutzend verschiedene Speisepilze. Einige dieser Arten können inzwischen zuverlässig auf speziell vorbereiteten Pilzsubstraten kultiviert werden.

Giftpilze

amanita-phalloidesGiftpilze umfassen eine Vielzahl an Arten, die beim Verzehr oder durch falsche Zubereitung (schwere) Vergiftungen verursachen können. Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) gilt als einer der gefährlichsten Pilze, da bereits kleine Mengen tödlich wirken können. So ist er für etwa 90 % aller tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen verantwortlich.

Ein weiterer bekannter, jedoch nicht gleichermaßen gefährlicher Giftpilz ist der Fliegenpilz (Amanita muscaria) mit seinem charakteristischen roten Hut und weißen Punkten. Auch er enthält toxische Substanzen, die ernsthafte Vergiftungserscheinungen hervorrufen können.

Die Unterscheidung zwischen essbaren und giftigen Pilzarten erfordert zuverlässiges Wissen, da Verwechslungen mitunter schwerwiegende Folgen haben können.

Vitalpilze

Vitalpilze (auch als Heilpilze bezeichnet) werden seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen für ihre positiven gesundheitlichen Eigenschaften genutzt und finden heute Anwendung in der Nahrungsergänzung. Der Reishi (Ganoderma lucidum) ist der weltweit am meisten eingenommene Vitalpilz. Ihm wird eine beeindruckende Bandbreite an positiven Eigenschaften zugesprochen.

Ein weiterer, besonders beliebter Vertreter ist der Cordyceps (Cordyceps sinensis). Tatsächlich bestehen zwischen der Gruppe der Speisepilze und der Vitalpilze klare Überschneidungen. Arten wie Shiitake, Hericium oder Maitake werden gleichermaßen für ihren guten Geschmack und ihre wertvollen Inhaltsstoffe geschätzt.


Pilzarten nach Jahreszeit

Pilzsaison im Jahresverlauf

Pilze können grundsätzlich zu fast jeder Jahreszeit Fruchtkörper bilden. Wann eine bestimmte Art erscheint, hängt jedoch stark von Temperatur, Niederschlag, Standort und Witterungsverlauf ab. Die folgende Übersicht zeigt typische Hauptsaisons in Mitteleuropa.

Pilzart Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Speisemorchel
Maipilz
Schwefelporling
Pfifferling
Steinpilz
Schopftintling
Maronenröhrling
Parasol
Austernseitling
Samtfußrübling

● = typische Hauptsaison. Die Angaben dienen zur Orientierung und können sich je nach Region, Höhenlage und Witterung verschieben.

Wer bereits früh im Jahr auf Pilzsuche gehen möchte, findet in unserer Übersicht zu den Frühlingspilzen typische Arten für März, April und Mai.


pilzkorb-pilzartenWelche Pilzarten gibt es in Deutschland?

Allein in Deutschland sind viele Tausend Pilzarten bekannt. Dazu gehören nicht nur die auffälligen Großpilze, die wir im Wald als Fruchtkörper sehen, sondern auch zahlreiche kleine oder nur mikroskopisch erkennbare Arten.

Für Pilzsammler interessant ist daher nur ein kleiner Ausschnitt dieser enormen Vielfalt. Neben bekannten Speisepilzen wie Steinpilz, Pfifferling oder Maronenröhrling kommen bei uns zahlreiche ungenießbare und giftige Arten sowie viele Pilze vor, die für das Ökosystem von großer Bedeutung sind.

Pilze erfüllen dabei sehr unterschiedliche Aufgaben: Sie zersetzen abgestorbenes Material, leben in Symbiose mit Pflanzen oder besiedeln lebende Organismen. Die Vielfalt der Pilzarten lässt sich deshalb nicht allein daran festmachen, welche Pilze essbar sind.