Gallenröhrling
Gallenröhrling – erkennen und vom Steinpilz unterscheiden
Der Gemeine Gallenröhrling (Tylopilus felleus) gehört zu den bekanntesten Verwechslungspartnern des Steinpilzes. Besonders junge Exemplare sehen mit ihrem braunen Hut, dem kräftigen Stiel und den zunächst weißen Röhren einem Steinpilz teilweise erstaunlich ähnlich. Mit zunehmendem Alter werden die Unterschiede deutlicher: Die Poren des Gallenröhrlings verfärben sich weißlich bis zunehmend rosa, während sein Stiel typischerweise ein auffälliges grobes und bräunliches Netz trägt.
Der Gallenröhrling gilt nicht als klassischer Giftpilz. Wegen seines extrem bitteren Geschmacks ist er jedoch ungenießbar. Bereits ein einzelner Fruchtkörper kann ausreichen, um ein komplettes Pilzgericht geschmacklich zu verderben. Einen Überblick über weitere Verwechslungen beliebter Speisepilze findest du in unserem Ratgeber Speisepilze und ihre giftigen Doppelgänger.
Gallenröhrling im Steckbrief
| Deutscher Name | Gemeiner Gallenröhrling |
| Wissenschaftlicher Name | Tylopilus felleus |
| Familie | Dickröhrlingsverwandte (Boletaceae) |
| Hut | Hellbraun, ockerbraun bis dunkelbraun, jung gewölbt, später polsterförmig |
| Röhren / Poren | Jung weißlich, später zunehmend rosa bis schmutzig rosa |
| Stiel | Kräftig, häufig keulig, mit meist deutlich ausgeprägtem grobem bräunlichem Netz |
| Fleisch | Weiß, meist ohne Blaufärbung beim Anschnitt |
| Sporenpulver | Rosa bis fleischrosa |
| Geschmack | Extrem bitter |
| Vorkommen | Vor allem Nadel- und Mischwälder, häufig auf sauren und nährstoffarmen Böden |
| Saison | Frühsommer bis Spätherbst |
| Essbarkeit | Ungenießbar |
Steinpilz oder Gallenröhrling?
Gallenröhrling: Poren jung weiß, später rosa; meist grobes dunkles Netz auf dem Stiel; extrem bitter.
Steinpilz: Poren jung weiß, später gelblich bis olivgrün; meist feines helles Netz am Stiel; mild.
Besonders bei sehr jungen Pilzen sollten immer alle Merkmale gemeinsam geprüft werden.
Wie erkennt man den Gallenröhrling?
Der Gallenröhrling besitzt den typischen Aufbau eines Röhrlings: Auf der Hutunterseite befinden sich keine Lamellen, sondern zahlreiche kleine Röhren, deren Öffnungen als Poren sichtbar sind. Für die Abgrenzung vom Steinpilz sind vor allem Porenfarbe und Stielnetz hilfreich.
Hut
Der Hut des Gallenröhrlings ist zunächst halbkugelig bis gewölbt und wird später polsterförmig bis ausgebreitet. Die Farbe reicht von hellem Ocker- und Lederbraun bis zu kräftigeren Nuss- oder Kastanienbrauntönen.
Junge Fruchtkörper können dadurch einem Steinpilz sehr ähnlich sehen. Die Hutfarbe allein eignet sich deshalb kaum für eine sichere Unterscheidung.
Röhren und Poren
Die Poren gehören zu den wichtigsten Merkmalen. Junge Gallenröhrlinge besitzen zunächst weißliche Poren. Genau in diesem Stadium ist die Verwechslung mit einem jungen Steinpilz besonders leicht möglich. Ein junger Pilz darf deshalb nicht allein nach der hellen Röhrenschicht als Steinpilz bestimmt werden.
Mit zunehmender Reife entwickeln die Röhren und Poren jedoch eine deutlich rosa bis schmutzig rosafarbene Tönung. Beim Steinpilz entwickeln sich die zunächst ebenfalls hellen Poren dagegen über Gelbtöne in Richtung Gelbgrün beziehungsweise Olivgrün.
Stielnetz
Der Stiel ist meist kräftig, voll und häufig keulen- bis bauchförmig. Besonders charakteristisch ist eine deutlich hervortretende Netzzeichnung. Dieses Netz ist häufig grobmaschig und bräunlich bis dunkelbraun und hebt sich sichtbar vom helleren Stielgrund ab.
Auch Steinpilze besitzen ein Netz auf dem Stiel. Dieses ist jedoch typischerweise feiner und heller und fällt vor allem im oberen Stielbereich auf.
Fleisch
Das Fleisch ist weiß und bei jungen Fruchtkörpern fest. Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Röhrlingen zeigt es beim Anschneiden normalerweise keine intensive Blaufärbung. Auch der Steinpilz blaut normalerweise nicht. Dieses Merkmal eignet sich daher nicht zur Unterscheidung dieser beiden Arten.
Ist der Gallenröhrling giftig?
Der Gemeine Gallenröhrling wird üblicherweise als ungenießbar und nicht als klassischer Giftpilz eingestuft.
Der entscheidende Grund ist sein ausgesprochen bitterer Geschmack. Selbst kleinere Mengen können ein Gericht ungenießbar machen. Der Pilz sollte deshalb nicht für Speisezwecke gesammelt werden. „Nicht klassisch giftig“ sollte dabei nicht mit „zum Probieren geeignet“ verwechselt werden. Unbekannte Wildpilze sollten grundsätzlich erst vollständig bestimmt werden, bevor überhaupt über einen Verzehr nachgedacht wird. Einen Überblick über tatsächlich giftige Arten findest du unter Giftpilze.
Der deutsche Name verweist unmittelbar auf seinen Geschmack: „Galle“ steht hier sinnbildlich für die ausgeprägte Bitterkeit des Pilzes. Für die Küche ist diese Bitterkeit entscheidend. Sie verschwindet durch normales Braten oder Kochen nicht zuverlässig und kann beim Erhitzen sogar besonders deutlich wahrgenommen werden.
Keine Geschmacksprobe notwendig
In älteren Pilzbüchern und manchen Bestimmungsschlüsseln wird beim Gallenröhrling eine Geschmacksprobe als Erkennungsmerkmal genannt. Für eine Bestimmung zum Eigengebrauch ist sie jedoch nicht erforderlich.
Rosa Poren, grobes dunkles Stielnetz, Habitus und Standort liefern ausreichend Merkmale, um den Verdacht auf einen Gallenröhrling zu prüfen. Unbekannte Pilze sollten grundsätzlich nicht zum Zweck der Bestimmung in den Mund genommen werden.
Steinpilz oder Gallenröhrling?
Die Verwechslung mit dem Steinpilz ist der wichtigste Grund, warum der Gallenröhrling vielen Pilzsammlern bekannt ist.
Beide besitzen einen braunen Hut, einen kräftigen Stiel, eine Röhrenschicht und eine Netzzeichnung auf dem Stiel. Besonders junge Gallenröhrlinge können deshalb auf den ersten Blick wie Steinpilze aussehen.

| Merkmal | Gallenröhrling | Steinpilz |
|---|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Tylopilus felleus | Boletus edulis |
| Hut | Hell- bis dunkelbraun, trocken bis leicht glänzend | Hell- bis dunkelbraun, häufig mit hellerem Hutrand |
| Poren jung | Weißlich | Weißlich |
| Poren älter | Rosa bis schmutzig rosa | Gelb, gelbgrün bis olivgrün |
| Stielnetz | Meist grob und deutlich dunkelbraun | Meist fein und hell, besonders im oberen Bereich |
| Fleisch | Weiß, normalerweise nicht blauend | Weiß, normalerweise nicht blauend |
| Sporenpulver | Rosa bis fleischrosa | Olivbraun |
| Geschmack | Extrem bitter | Mild |
| Essbarkeit | Ungenießbar | Speisepilz |
Gallenröhrling oder doch Maronenröhrling?
Auch der Maronen-Röhrling gehört zu den häufig gesammelten braunen Röhrlingen. Er lässt sich vom Gallenröhrling häufig leichter abgrenzen als der Steinpilz: Seine Röhren sind gelblich bis olivgelb statt rosa und verfärben sich auf Druck häufig blau. Außerdem besitzt der Stiel kein charakteristisches grobes Netz.
| Merkmal | Gallenröhrling | Maronen-Röhrling |
|---|---|---|
| Poren jung | Weißlich | Gelblich |
| Poren älter | Rosa | Gelb bis olivgelb |
| Reaktion auf Druck | Poren können dunkler rosa bis bräunlich reagieren | Poren häufig deutlich blauend |
| Stielnetz | Grob und meist dunkel | Kein typisches Netz |
| Fleisch | Weiß, normalerweise nicht blauend | Kann teilweise blau reagieren |
| Geschmack | Extrem bitter | Mild |
| Einordnung | Ungenießbar | Speisepilz |
Wo wächst der Gallenröhrling?
Der Gallenröhrling wächst vor allem in Nadel- und Mischwäldern. Besonders häufig wird er in Verbindung mit Fichten und Kiefern gefunden. Er kann aber auch in Wäldern mit Buchen, Eichen und anderen Bäumen auftreten. Die Art bevorzugt häufig saure und eher nährstoffarme Böden.
Wie Steinpilze und viele andere Röhrlinge lebt der Gallenröhrling als Mykorrhizapilz. Sein unterirdisches Myzel steht mit den Feinwurzeln geeigneter Bäume in Verbindung. Fruchtkörper können scheinbar unmittelbar an altem Holz oder Baumstümpfen erscheinen. Entscheidend für die Lebensweise ist jedoch die Verbindung des Myzels mit seinen Baumpartnern.
Wann hat der Gallenröhrling Saison?
Die ersten Gallenröhrlinge können bereits im Frühsommer erscheinen. Die Fundzeit reicht je nach Region, Höhenlage und Witterung ungefähr vom Frühsommer bis in den Spätherbst. Damit überschneidet sich seine Saison stark mit der verschiedener Steinpilzarten – ein weiterer Grund, warum beide Pilze regelmäßig miteinander verwechselt werden.
Kann ein Gallenröhrling ein ganzes Pilzgericht verderben?
Ja. Genau dafür ist der Gallenröhrling unter Pilzsammlern berüchtigt.

Seine intensive Bitterkeit kann sich beim Kochen oder Braten im gesamten Gericht verteilen. Bereits ein einzelner versehentlich mitverarbeiteter Fruchtkörper kann deshalb ausreichen, um eine größere Pilzpfanne kaum noch genießbar zu machen. Besonders ärgerlich ist dies bei Mischkörben mit vermeintlichen Steinpilzen, weil ein junger Gallenröhrling zwischen mehreren Steinpilzen leicht übersehen werden kann.
Vor dem Kochen noch einmal kontrollieren
Bei gesammelten Steinpilzen lohnt sich vor der Zubereitung ein zweiter Blick auf jeden Fruchtkörper.
Achte besonders auf:
✓ Porenfarbe: rosa spricht gegen Steinpilz
✓ Stielnetz: grobes dunkles Netz ist typisch für den Gallenröhrling
✓ Röhrenentwicklung: ältere Steinpilze werden gelblich bis olivgrün, nicht rosa
Warum hat der Gallenröhrling rosa Poren?
Die Rosafärbung hängt mit der Reifung seiner Sporen zusammen. Junge Fruchtkörper besitzen zunächst eine helle bis weiße Röhrenschicht. Mit zunehmender Sporenreife wird sie zunehmend rosa bis fleischfarben.
Auch das Sporenpulver selbst besitzt eine rosafarbene bis fleischrosa Tönung. Beim Steinpilz ist das Sporenpulver dagegen olivbraun. Entsprechend entwickelt sich auch die Röhrenschicht älterer Steinpilze in Richtung Gelbgrün beziehungsweise Oliv.
Ist der Gallenröhrling mit dem Steinpilz verwandt?
Ja. Beide gehören zu den Dickröhrlingsverwandten (Boletaceae), sind aber unterschiedliche Gattungen. Der Gallenröhrling gehört zur Gattung Tylopilus, während der Gemeine Steinpilz zur Gattung Boletus gehört.
Der heute akzeptierte wissenschaftliche Name des Gemeinen Gallenröhrlings lautet Tylopilus felleus. In älterer Literatur findet sich unter anderem der Name Boletus felleus.
Kann man den Gallenröhrling züchten?
Nein. Der Gallenröhrling lebt als Mykorrhizapilz in fester Symbiose mit den Wurzeln lebender Bäume und lässt sich dadurch nicht wie klassische Zuchtpilze auf Substrat kultivieren.