Lexikon

Egerlinge

Egerlinge - Woher kommt der Name?

Der Begriff „Egerling“ geht auf das alte Wort „Egart“ zurück. Als Egart bezeichnete man im Mittelhochdeutschen und Althochdeutschen ein zeitweise brachliegendes Grasland, das in wechselnden Jahren als Acker genutzt wurde. Wörtlich bedeutet Egart also eine Art Weide- oder Bracheland – genau auf solchen Wiesen und Feldern wachsen typischerweise die Pilzart, die wir heute als klassische Champignons aus dem Supermarkt kennen. 

Der Name Egerling kann demnach sinngemäß als „Pilz vom Egart“ verstanden werden. Die Endung „-ling“ ist im Deutschen eine Ableitung, die häufig Zugehörigkeit oder Verkleinerung ausdrückt. Die genaue sprachgeschichtliche Herkunft von Egart selbst ist ungeklärt, doch die Bedeutung als Weideland passt gut zur natürlichen Umgebung der betreffenden Pilze.

Andere Erklärungsversuche für den Ursprung des Namens sind heute überholt. So führte auch die Lautähnlichkeit mit dem lateinischen Gattungsnamen Agaricus (für Champignonpilze) zu Spekulationen. Manche vermuteten eine Verwandtschaft zwischen Egerling und Agaricus, da man mit etwas Lautwandel von „Agar-“ zu „Eger-“ gelangen könnte. Sprachwissenschaftler verneinen jedoch eine direkte Ableitung; höchstens könnte ein entfernter gemeinsamer Ursprung bestehen, doch einen klaren Beleg dafür gibt es nicht.

Regionale und historische Verwendung des Namens

Im deutschsprachigen Raum war Egerling historisch vor allem ein landsmännischer bzw. regionaler Ausdruck für Champignons. Insbesondere in süddeutschen und österreichischen Regionen – wo auch das Wort Egart heimisch war – dürften Egerlinge zum Wortschatz der ländlichen Bevölkerung gehört haben. 

Ein nahe verwandtes Mundartwort ist „Angerling“, das ähnlich wie Egerling eine volkstümliche Bezeichnung für dieselben Pilze war. Anger bedeutet im Althochdeutschen „Grasplatz“ oder Dorfwiese – auch hier schwingt also die Bedeutung „Pilz von der Wiese“ mit. Je nach Region wurde mal der Ausdruck Egerling, mal Angerling bevorzugt, doch beide meinten in der Regel die wilden Champignon-Arten, die auf Wiesen, Weiden oder Brachflächen zu finden sind.

Die französische Bezeichnung „Champignon“ hielt bereits im 16. Jahrhundert Einzug in die deutsche Sprache. Ursprünglich bedeutet champignon im Französischen ganz allgemein „Pilz“. In Deutschland entwickelte sich Champignon jedoch rasch zu dem geläufigen Namen speziell für die Feld- und Wiesenpilze der Gattung Agaricus – vermutlich zunächst als kulinarischer Begriff für den geschätzten Speisepilz. 

Im 18. Jahrhundert hatte sich die heutige Schreibweise Champignon im Deutschen etabliert, und der französische Ausdruck verdrängte in der Standardsprache weitgehend die heimischen Wörter. Während also auf Wochenmärkten und in städtischen Küchen immer häufiger vom Champignon die Rede war, blieben Egerlinge mehr in ländlichen Gegenden oder bei traditionellen Pilzkennern in Gebrauch. In schriftlichen Quellen taucht Egerling tatsächlich nur sehr spärlich auf. Das lässt darauf schließen, dass Egerlinge nie zum allgemeingebräuchlichen Begriff in der Hochsprache wurden, sondern vor allem mündlich in bestimmten Regionen gelebt hat. 

Champignon wurde zum Alltagswort, während Egerlinge zunehmend ins Hintertreffen gerieten. Dadurch erlebte Egerling einen Bedeutungswandel weg vom breiten Gebrauchswort hin zu einem Fach- oder Dialektausdruck. In der Wahrnehmung mancher Pilzfreunde oder Sprachpfleger galt der Begriff zeitweise sogar als der „eigentlich richtige“ deutsche Name, der durch Champignon verdrängt worden sei. So behauptete ein Ratgeberbuch noch 2009, im Volksmund würden Egerlinge fälschlicherweise als Champignons bezeichnet. 


Egerlinge – Gibt es sie heute noch?

Heute ist das Wort Egerling nur noch selten in der Alltagssprache anzutreffen. Im Umgangssprachlichen spricht man nahezu immer von Champignons, wenn man die weißen oder braunen Zuchtpilze aus dem Supermarkt oder vergleichbare wilde Wiesenpilze meint. Wer auf dem Markt nach Speisepilzen sucht, wird Champignons ausgeschildert finden und kaum ein Schild mit „Egerlinge“ sehen. 

Der Begriff lebt jedoch in bestimmten Bereichen fort. In der Fachsprache der Mykologie und unter versierten Pilzkennern wird Egerling weiterhin als deutscher Name der Gattung Agaricus verwendet. Viele Pilzbestimmungsbücher führen die Champignon-Arten unter der Bezeichnung Egerlinge auf. So ist es in der Pilzliteratur üblich, Artennamen wie Wiesen-Egerling (für den Wiesenchampignon) oder Anis-Egerling (für den Anischampignon, Agaricus arvensis) zu verwenden. Hier bevorzugen einige Autoren den deutschstämmigen Begriff, andere den etablierten französischen – beide sind korrekt.

Im Handel und der Lebensmittelsprache taucht Egerling höchstens gelegentlich auf, wenn auch meist als ergänzende Bezeichnung. Jüngere Generationen kennen das Wort mitunter gar nicht mehr und würden bei „Egerling“ eher nachfragen, was damit gemeint ist. Für Hobbyzüchter und Pilzenthusiasten mag der Begriff als liebevolle traditionelle Bezeichnung jedoch einen gewissen Charme haben, da er an die natürliche Herkunft und deutsche Benennung der Pilze erinnert.