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Egerlinge

Was sind Egerlinge?

zuchtchampignon-ernteEgerlinge sind Pilze der Gattung Agaricus – also Champignons. Die Begriffe „Egerling“ und „Champignon“ werden im Deutschen für dieselbe Pilzgattung verwendet. Zu dieser Gruppe gehören sowohl bekannte Speisepilze wie der Wiesen-Champignon und der kultivierte weiße beziehungsweise braune Champignon als auch giftige Arten wie der Karbolchampignon.

Wer einen wild wachsenden Egerling findet, darf deshalb nicht automatisch davon ausgehen, einen essbaren Champignon vor sich zu haben.

Egerling oder Champignon – was ist der Unterschied?

Im mykologischen Sinn gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied: Egerlinge beziehungsweise Champignons gehören zur Gattung Agaricus. Im Alltag meint „Champignon“ allerdings häufig speziell den weißen oder braunen Zuchtchampignon (Agaricus bisporus) aus dem Handel.

„Egerling“ wird dagegen heute vor allem in Pilzbüchern und deutschen Artnamen wie Wiesen-Egerling, Anis-Egerling oder Karbol-Egerling verwendet.

Wie erkennt man Egerlinge?

Egerlinge sind klassische Lamellenpilze. Je nach Art können Hut, Größe, Geruch und Verfärbungen sehr unterschiedlich ausfallen. Trotzdem besitzt die Gattung einige typische Merkmale.

Typische Merkmale von Champignons und Egerlingen

Lamellen: bei jungen Fruchtkörpern zunächst sehr hell bis rosa, später rosa- bis fleischfarben und mit zunehmender Sporenreife schließlich dunkel- bis schokoladenbraun

Sporenpulver: dunkelbraun bis schokoladenbraun

Lamellenansatz: die Lamellen stehen frei und sind nicht direkt am Stiel angewachsen

Ring: viele Arten besitzen einen mehr oder weniger deutlichen Ring am Stiel

Stielbasis: keine sackartige Volva wie bei verschiedenen Knollenblätterpilzen

Geruch: je nach Art angenehm pilzig, anis- oder mandelartig bis unangenehm chemisch beziehungsweise karbolartig

Verfärbung: manche Arten röten bei Verletzung, andere gilben – Art und Geschwindigkeit der Verfärbung sind wichtige Bestimmungsmerkmale

Besonders wichtig ist die Entwicklung der Lamellenfarbe. Bei reifen Egerlingen werden die Lamellen durch das dunkle Sporenpulver zunehmend braun.


Welche Egerlinge gibt es?

Die Gattung Agaricus umfasst zahlreiche Arten. Einige davon sind gute Speisepilze, andere können Magen-Darm-Vergiftungen verursachen.

Art Wissenschaftlicher Name Typische Merkmale Standort Speisewert
Zuchtchampignon Agaricus bisporus Weiße oder braune Zuchtform; rosa bis später schokoladenbraune Lamellen Vor allem gezielte Kultur Speisepilz
Wiesen-Champignon / Wiesen-Egerling Agaricus campestris Weißlicher Hut, rosafarbene bis später braune Lamellen, angenehm pilziger Geruch Wiesen, Weiden und andere Grasflächen Speisepilz
Anis-Egerling Agaricus arvensis Heller Hut, gilbend, typischer Anis- bis Bittermandelgeruch Wiesen, Weiden, Parks und grasige Standorte Speisepilz
Stadtchampignon Agaricus bitorquis Kräftiger Fruchtkörper, oft zwei ringartige Zonen am Stiel, kann verdichtete Böden durchbrechen Straßenränder, Parks, Wege und verdichtete städtische Böden Essbar, für Wildsammler jedoch sicher zu bestimmen
Wald-Champignon Agaricus sylvaticus Bräunlich-schuppiger Hut; Fleisch rötet bei Verletzung Nadel- und Mischwälder Speisepilz
Karbolchampignon / Karbol-Egerling Agaricus xanthodermus Stielbasis bei Verletzung intensiv chromgelb; unangenehmer Phenol-/Karbolgeruch Wiesen, Parks, Gärten und grasige Flächen Giftig – verursacht Magen-Darm-Vergiftungen

Weitere bekannte Arten sind beispielsweise der Riesen-Egerling (Agaricus augustus) und verschiedene Wald-, Anis- und Blut-Egerlinge. Die Unterscheidung innerhalb der Gattung kann teilweise anspruchsvoll sein.


anisegerlingSind alle Egerlinge essbar?

Nein. Genau darin liegt eines der größten Probleme beim Sammeln wild wachsender Champignons. Zur Gattung Agaricus gehören zahlreiche gute Speisepilze, gleichzeitig aber auch Arten, die deutliche Magen-Darm-Vergiftungen hervorrufen können.

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie führt beispielsweise den Karbol-Egerling beziehungsweise die Karbol-Egerlinge um Agaricus xanthodermus, den Falschen Waldegerling (Agaricus freirei), den Perlhuhnegerling (Agaricus moelleri) und den Falschen Wiesenegerling (Agaricus pseudopratensis) bei den giftigen Champignons.

Weißer Champignon bedeutet nicht automatisch essbar

Farbe und typische „Champignonform“ reichen nicht aus, um einen Wildpilz als Speisepilz einzustufen.

Besonders bei weißen Egerlingen müssen unter anderem Lamellenfarbe, Geruch, Verfärbungsreaktion, Ring und die vollständige Stielbasis kontrolliert werden.


Karbolchampignon erkennen – die wichtigste Egerling-Verwechslung

Der Karbolchampignon (Agaricus xanthodermus) gehört zu den wichtigsten giftigen Doppelgängern essbarer Champignons. Er kann auf Wiesen, in Gärten, Parks und anderen grasigen Bereichen wachsen – also genau dort, wo auch essbare Champignonarten vorkommen.

Nach dem Verzehr können heftige Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten.

karbolegerling

Der Chromgelb-Test beim Karbolchampignon

Das wichtigste Merkmal zeigt sich an der Stielbasis. Wird ein frischer Karbolchampignon an der Basis angeschnitten, angeritzt oder kräftig gerieben, verfärbt sich das Gewebe innerhalb kurzer Zeit auffällig chrom- bis schwefelgelb. Die Reaktion ist besonders am unteren Ende des Stiels beziehungsweise im Fleisch der verdickten Stielbasis ausgeprägt.

Chromgelb-Test: Karbolchampignon prüfen

1. Pilz vollständig entnehmen
Nicht einfach oberhalb des Bodens abschneiden. Die Stielbasis muss für die Bestimmung erhalten bleiben.

2. Stielbasis anschneiden oder anreiben
Besonders das unterste Stielfleisch beobachten.

3. Schnelle Farbveränderung beachten
Beim Karbolchampignon entsteht häufig innerhalb kurzer Zeit eine auffällig kräftige chromgelbe Verfärbung.

4. Geruch prüfen
Typisch ist zusätzlich ein unangenehmer chemischer Geruch, der an Phenol, Tinte, Desinfektionsmittel oder Karbol erinnern kann.

Wichtig: Gelbfärbung allein beweist keinen Karbolchampignon

Auch verschiedene essbare Egerlinge können gelb anlaufen. Dazu gehören insbesondere Anis-Egerlinge. Bei diesen ist die Gelbfärbung häufig weniger abrupt auf die Stielbasis konzentriert und wird typischerweise von einem angenehmen Anis- beziehungsweise Bittermandelgeruch begleitet.

Der Karbolchampignon kombiniert dagegen besonders die schnelle kräftige Chromgelbfärbung der Stielbasis mit einem unangenehm phenolisch-chemischen Geruch. Auch diese Merkmale sollten niemals isoliert zur Verzehrfreigabe verwendet werden.


Warum muss man Champignons mit der Stielbasis sammeln?

Für eine sichere Pilzbestimmung sollte ein unbekannter Champignon nicht einfach am Boden abgeschnitten werden. Bei Karbolchampignons liegt die besonders charakteristische Gelbfärbung gerade im unteren Teil des Stiels. Wird dieser Bereich im Boden zurückgelassen, geht ein wichtiges Bestimmungsmerkmal verloren.

Noch wichtiger ist die vollständige Stielbasis bei der Abgrenzung zu gefährlichen weißen Wulstlingen und Knollenblätterpilzen. Unbekannte Wildpilze sollten deshalb für Bestimmungszwecke vorsichtig vollständig aus dem Boden genommen werden, ohne die Stielbasis zu beschädigen.

Champignon oder Knollenblätterpilz?

Die gefährlichste Verwechslung bei hellen Egerlingen ist nicht ein anderer Champignon, sondern ein weißlicher Vertreter der Gattung Amanita. Besonders junge Fruchtkörper können bei noch geschlossenem Hut oberflächlich champignonartig wirken.

Merkmal Egerlinge / Champignons Knollenblätterpilze / Amanita
Lamellen Werden mit zunehmender Reife rosa bis dunkelbraun Bleiben weiß beziehungsweise hell
Sporenpulver Dunkelbraun Weiß
Ring Bei vielen Arten vorhanden Bei gefährlichen Knollenblätterpilzen häufig ebenfalls vorhanden
Stielbasis Keine sackartige Volva Je nach Art deutliche Knolle und/oder sackartige Volva an der Basis

Weiße Lamellen sind bei vermeintlichen Champignons ein Warnsignal

Bei einem entwickelten Champignon färben sich die Lamellen mit der Sporenreife rosa und anschließend braun. Bleiben die Lamellen eines vermeintlichen ausgewachsenen „Champignons“ rein weiß, passt dieses Merkmal nicht zu einem typischen reifen Egerling.

Bei jungen geschlossenen Pilzen ist diese Regel jedoch nicht ausreichend. Der vollständige Fruchtkörper einschließlich Stielbasis muss betrachtet werden.


Warum werden die Lamellen von Champignons braun?

Junge Champignons besitzen zunächst helle bis rosafarbene Lamellen. Während der Fruchtkörper heranreift, entstehen dort große Mengen dunkelbrauner Sporen. Dadurch verfärben sich die Lamellen zunehmend über rosa und rötlich-braun bis zu einem dunklen Schokoladenbraun.

Diese Veränderung ist völlig normal und gehört zum natürlichen Reifeprozess des Pilzes. Die dunkle Sporenpulverfarbe ist gleichzeitig ein wichtiges Merkmal der Gattung Agaricus. Mehr dazu findest du in unserem Lexikonbeitrag zu Pilzsporen und Sporenabdrücken.


Kann man Egerlinge selbst züchten?

Ja. Der bekannteste gezüchtete Egerling ist der Zuchtchampignon Agaricus bisporus. Zu dieser Art gehören sowohl die bekannten weißen Champignons als auch braune Zuchtformen. Lässt man bestimmte braune Champignons länger ausreifen und den Hut vollständig öffnen, werden sie als Portobello vermarktet.

Anders als viele holzbewohnende Zuchtpilze wächst der Champignon auf einem speziell vorbereiteten, nährstoffreichen Kompostsubstrat. Für die Fruchtkörperbildung wird dieses mit einer Deckerde versehen.

Champignons selbst anbauen

Wer Egerlinge nicht im Wald bestimmen möchte, kann den Zuchtchampignon kontrolliert zuhause kultivieren. Bei einer vorbereiteten Champignonkultur ist das Substrat bereits vollständig mit dem gewünschten Myzel besiedelt. Nach dem Aufbringen der Deckerde und einer kurzen Durchwachsphase können bei geeigneten Bedingungen die ersten Champignons erscheinen.

Weiße Champignons selbst züchten →


Egerlinge - Woher kommt der Name?

Der Begriff „Egerling“ geht auf das alte Wort „Egart“ zurück. Als Egart bezeichnete man im Mittelhochdeutschen und Althochdeutschen ein zeitweise brachliegendes Grasland, das in wechselnden Jahren als Acker genutzt wurde. Wörtlich bedeutet Egart also eine Art Weide- oder Bracheland – genau auf solchen Wiesen und Feldern wachsen typischerweise die Pilzart, die wir heute als klassische Champignons aus dem Supermarkt kennen. 

Der Name Egerling kann demnach sinngemäß als „Pilz vom Egart“ verstanden werden. Die Endung „-ling“ ist im Deutschen eine Ableitung, die häufig Zugehörigkeit oder Verkleinerung ausdrückt. Die genaue sprachgeschichtliche Herkunft von Egart selbst ist ungeklärt, doch die Bedeutung als Weideland passt gut zur natürlichen Umgebung der betreffenden Pilze.

Andere Erklärungsversuche für den Ursprung des Namens sind heute überholt. So führte auch die Lautähnlichkeit mit dem lateinischen Gattungsnamen Agaricus (für Champignonpilze) zu Spekulationen. Manche vermuteten eine Verwandtschaft zwischen Egerling und Agaricus, da man mit etwas Lautwandel von „Agar-“ zu „Eger-“ gelangen könnte. Sprachwissenschaftler verneinen jedoch eine direkte Ableitung; höchstens könnte ein entfernter gemeinsamer Ursprung bestehen, doch einen klaren Beleg dafür gibt es nicht.


Regionale und historische Verwendung des Namens Egerling

Im deutschsprachigen Raum war Egerling historisch vor allem ein landsmännischer bzw. regionaler Ausdruck für Champignons. Insbesondere in süddeutschen und österreichischen Regionen – wo auch das Wort Egart heimisch war – dürften Egerlinge zum Wortschatz der ländlichen Bevölkerung gehört haben. 

Ein nahe verwandtes Mundartwort ist „Angerling“, das ähnlich wie Egerling eine volkstümliche Bezeichnung für dieselben Pilze war. Anger bedeutet im Althochdeutschen „Grasplatz“ oder Dorfwiese – auch hier schwingt also die Bedeutung „Pilz von der Wiese“ mit. Je nach Region wurde mal der Ausdruck Egerling, mal Angerling bevorzugt, doch beide meinten in der Regel die wilden Champignon-Arten, die auf Wiesen, Weiden oder Brachflächen zu finden sind.

Die französische Bezeichnung „Champignon“ hielt bereits im 16. Jahrhundert Einzug in die deutsche Sprache. Ursprünglich bedeutet champignon im Französischen ganz allgemein „Pilz“. In Deutschland entwickelte sich Champignon jedoch rasch zu dem geläufigen Namen speziell für die Feld- und Wiesenpilze der Gattung Agaricus – vermutlich zunächst als kulinarischer Begriff für den geschätzten Speisepilz. 

Im 18. Jahrhundert hatte sich die heutige Schreibweise Champignon im Deutschen etabliert, und der französische Ausdruck verdrängte in der Standardsprache weitgehend die heimischen Wörter. Während also auf Wochenmärkten und in städtischen Küchen immer häufiger vom Champignon die Rede war, blieben Egerlinge mehr in ländlichen Gegenden oder bei traditionellen Pilzkennern in Gebrauch. In schriftlichen Quellen taucht Egerling tatsächlich nur sehr spärlich auf. Das lässt darauf schließen, dass Egerlinge nie zum allgemeingebräuchlichen Begriff in der Hochsprache wurden, sondern vor allem mündlich in bestimmten Regionen gelebt hat. 

Champignon wurde zum Alltagswort, während Egerlinge zunehmend ins Hintertreffen gerieten. Dadurch erlebte Egerling einen Bedeutungswandel weg vom breiten Gebrauchswort hin zu einem Fach- oder Dialektausdruck. In der Wahrnehmung mancher Pilzfreunde oder Sprachpfleger galt der Begriff zeitweise sogar als der „eigentlich richtige“ deutsche Name, der durch Champignon verdrängt worden sei. So behauptete ein Ratgeberbuch noch 2009, im Volksmund würden Egerlinge fälschlicherweise als Champignons bezeichnet. 


Egerlinge – Gibt es sie heute noch?

Heute ist das Wort Egerling nur noch selten in der Alltagssprache anzutreffen. Im Umgangssprachlichen spricht man nahezu immer von Champignons, wenn man die weißen oder braunen Zuchtpilze aus dem Supermarkt oder vergleichbare wilde Wiesenpilze meint. Wer auf dem Markt nach Speisepilzen sucht, wird Champignons ausgeschildert finden und kaum ein Schild mit „Egerlinge“ sehen. 

Der Begriff lebt jedoch in bestimmten Bereichen fort. In der Fachsprache der Mykologie und unter versierten Pilzkennern wird Egerling weiterhin als deutscher Name der Gattung Agaricus verwendet. Viele Pilzbestimmungsbücher führen die Champignon-Arten unter der Bezeichnung Egerlinge auf. So ist es in der Pilzliteratur üblich, Artennamen wie Wiesen-Egerling (für den Wiesenchampignon) oder Anis-Egerling (für den Anischampignon, Agaricus arvensis) zu verwenden. Hier bevorzugen einige Autoren den deutschstämmigen Begriff, andere den etablierten französischen – beide sind korrekt.

Im Handel und der Lebensmittelsprache taucht Egerling höchstens gelegentlich auf, wenn auch meist als ergänzende Bezeichnung. Jüngere Generationen kennen das Wort mitunter gar nicht mehr und würden bei „Egerling“ eher nachfragen, was damit gemeint ist. Für Hobbyzüchter und Pilzenthusiasten mag der Begriff als liebevolle traditionelle Bezeichnung jedoch einen gewissen Charme haben, da er an die natürliche Herkunft und deutsche Benennung der Pilze erinnert.

Wildchampignons nur bei sicherer Bestimmung essen

Ein weißer Hut, rosa Lamellen oder angenehmer Pilzgeruch reichen nicht für eine sichere Verzehrfreigabe. Bei unbekannten Wildchampignons sollte immer der vollständige Fruchtkörper bestimmt werden. Bei Unsicherheit den Pilz nicht essen und den Fund von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen persönlich prüfen lassen.

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