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Hexenei

Hexenei im Überblick

hexenei-jung

Was ist ein Hexenei? Junges, noch geschlossenes Entwicklungsstadium verschiedener Stinkmorchelartiger
Typisches Beispiel Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus)
Größe Bei der Gemeinen Stinkmorchel meist etwa 3–6 cm
Aufbau Äußere Hülle, gallertartige Schicht und bereits vorgebildeter Fruchtkörper im Inneren
Fundorte Humusreiche Böden, Wälder, Gebüsche, Parks und Gärten, häufig in der Nähe stark zersetzten Holzes
Saison Vor allem Sommer bis Herbst
Entwicklung Ein reifes Hexenei kann sich innerhalb weniger Stunden zum ausgewachsenen Fruchtkörper strecken
Wichtige Verwechslung Junge Knollenblaetterp ilze können im geschlossenen Stadium ähnlich aussehen

Als sogenanntes Hexenei bezeichnet man das Entwicklungsstadium verschiedener Pilzarten aus der Ordnung der Stinkmorchelartigen (Phallales), bevor sie ihren typischen Fruchtkörper entfalten. Der Begriff bezieht sich auf die eiförmige Gestalt dieser jungen Pilze, die oft halb im Boden stecken und von einer gallertartigen Hülle umgeben sind. Das Hexenei ist nicht nur mykologisch interessant, sondern auch kulinarisch von Bedeutung, da einige dieser Pilze in diesem frühen Stadium essbar sind.

hexeneiDas Hexenei ist meist weißlich bis cremefarben und hat eine gummiartige, elastische Außenhaut. Im Inneren befindet sich eine gallertartige Masse, die das spätere Gewebe des Fruchtkörpers schützt. Der Fruchtkörper selbst ist in diesem Stadium noch kompakt und von der gallertartigen Substanz umhüllt. Mit fortschreitendem Wachstum platzt das Ei auf, und der charakteristische Fruchtkörper der Stinkmorchel oder anderer verwandter Arten entfaltet sich.

Ein typisches Beispiel ist das Hexenei der Gemeinen Stinkmorchel. Nach dem Aufplatzen bildet diese Art einen hohen, zylindrischen Fruchtkörper mit einer schleimigen, übel riechenden Oberfläche, die Insekten zur Sporenverbreitung anlockt.

Hexeneier treten vor allem in feuchten, humusreichen Böden auf. Sie sind häufig in Wäldern, Parks oder an Waldrändern zu finden, wo der Boden gut durchlüftet und ausreichend feucht ist. Die beste Zeit, Hexeneier zu entdecken, ist im Spätsommer und Herbst, wenn die Witterung feucht und mild ist.

Im Hexenei-Stadium ist die Gemeine Stinkmorchel essbar. Die gallertartige Hülle wird entfernt, und der feste, kompakte Kern kann roh oder gekocht verzehrt werden. Geschmacklich erinnert das Hexenei an Rettich oder milden Pilz. In der modernen Küche ist es jedoch eher eine Rarität, und nicht jeder schätzt seine Konsistenz. Wichtig ist eine genaue Bestimmung, da nicht alle Hexeneier kulinarisch genutzt werden können.

Namensherkunft der Hexeneier

Der Name rührt von alten Volksglauben her, wonach diese ungewöhnlichen Gebilde als Werk von Hexen oder anderen übernatürlichen Kräften galten. Die schleimige Konsistenz und das plötzliche Wachstum des Fruchtkörpers trugen zur Entstehung solcher Mythen bei. Der Aberglaube, der sich einst um das Reich der Pilze rankte, zeigt sich auch an der Namensgebung von Hexenringen oder Hexen-Röhrlingen.


Welche Pilze bilden Hexeneier?

Der Begriff „Hexenei“ wird nicht ausschließlich für die Gemeine Stinkmorchel verwendet. Auch verschiedene andere Vertreter der Stinkmorchelartigen beginnen ihre Entwicklung als kugel- oder eiförmiger, zunächst geschlossener Fruchtkörper.

Pilzart Wissenschaftlicher Name Hexenei Ausgewachsener Fruchtkörper
Gemeine Stinkmorchel Phallus impudicus Weißlich bis cremefarben, mit deutlicher Gallertschicht Weißer poröser Stiel mit olivgrüner, stark riechender Sporenmasse
Dünen-Stinkmorchel Phallus hadriani Kann sich an der Luft rosa bis violett verfärben Der Gemeinen Stinkmorchel ähnlich
Tintenfischpilz Clathrus archeri Äußerlich zunächst ebenfalls hell und eiförmig; im Schnitt sind bereits rötliche Strukturen sichtbar Mehrere auffällige rote, tentakelartige Arme
Roter Gitterling Clathrus ruber Kugeliges bis eiförmiges Jugendstadium; im Inneren bereits rötliche Strukturen Auffälliger roter, gitterförmiger Fruchtkörper

Gerade beim Tintenfischpilz und Roten Gitterling zeigt ein Querschnitt gut, welcher Fruchtkörper später aus dem unscheinbaren Ei entstehen wird: Die roten Strukturen sind bereits im Inneren angelegt.


Wie ist ein Hexenei aufgebaut?

Ein Hexenei ist weit mehr als eine einfache weiße Kugel. Im Inneren befindet sich der spätere Pilz bereits weitgehend vorgebildet und stark zusammengefaltet. Von außen nach innen lassen sich bei der Gemeinen Stinkmorchel grob mehrere Bereiche unterscheiden:

  • eine feste bis lederartige äußere Hülle
  • eine dicke, transparente bis glasige Gallertschicht
  • die später olivgrüne Sporenmasse
  • der bereits angelegte Kopfbereich
  • der stark zusammengedrückte, weiße spätere Stiel

Der erwachsene Pilz entsteht deshalb nicht erst nach dem Aufplatzen des Hexeneis. Seine wesentlichen Strukturen befinden sich bereits im Inneren und werden beim weiteren Wachstum vor allem stark gestreckt.

Warum enthält das Hexenei so viel Gallerte?

Die gallertartige Schicht umgibt und schützt den noch zusammengefalteten Fruchtkörper. Gleichzeitig enthält sie viel Wasser – eine wichtige Voraussetzung für die extrem schnelle Streckung der Stinkmorchel. Sobald das Hexenei reif ist, kann sich der bereits vorbereitete Fruchtkörper durch starke Zellstreckung innerhalb sehr kurzer Zeit entfalten.


Hexenei oder Knollenblaetterpilz – eine gefährliche Verwechslung

Gerade bei jungen Pilzen ist besondere Vorsicht notwendig. Ein Grüner Knollenblaetterpilz (Amanita phalloides) kann in einem sehr frühen Stadium noch vollständig von seiner Gesamthülle umschlossen sein. Von außen entsteht dadurch ebenfalls eine rundliche bis eiförmige weiße Struktur. Eine Verwechslung mit einem vermeintlichen Hexenei kann lebensgefährlich sein.

knollenblätterpilzDer wichtigste Unterschied zeigt sich beim vollständigen Durchschneiden des Fruchtkörpers.

Merkmal Hexenei der Stinkmorchel Junger Knollenblaetterpilz
Außenform Rund bis eiförmig, weißlich bis cremefarben Kann ebenfalls rund bis eiförmig und hell erscheinen
Gallertschicht Deutlich ausgeprägte, dicke gelartige Schicht Keine typische dicke Gallerthülle wie bei der Stinkmorchel
Querschnitt Bereits angelegter Stinkmorchel-Fruchtkörper mit weißem Zentrum und olivgrünlicher Struktur Im Inneren sind bereits Hut, Stiel und insbesondere die angelegten Lamellen des späteren Blätterpilzes erkennbar
Verzehr Das sicher bestimmte Hexenei der Gemeinen Stinkmorchel gilt jung als essbar Tödlich giftig

Wichtig: Ein vermeintliches Hexenei sollte für Speisezwecke niemals nur aufgrund seiner äußeren Form bestimmt werden. Wer die Strukturen im Querschnitt nicht zweifelsfrei zuordnen kann, sollte den Pilz nicht verzehren. Auch andere junge Wulstlinge können zunächst von einer Gesamthülle umschlossen sein. Die Schnittprobe ist daher keine Einladung, unbekannte „Pilzeier“ selbst als essbar einzustufen, sondern lediglich ein wichtiges zusätzliches Bestimmungsmerkmal.

Bei Unsicherheit sollte der Fund vor einem geplanten Verzehr von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen geprüft werden.


Vom Hexenei zur Stinkmorchel – wie schnell geht das?

Kurz vor der Reife ist der spätere Stinkmorchel-Fruchtkörper im Hexenei bereits vollständig vorbereitet. Der weiße Stiel befindet sich noch stark zusammengedrückt im Inneren. Wenn die Entwicklung weit genug fortgeschritten ist, reißt die äußere Hülle auf und der poröse Stiel streckt sich außerordentlich schnell. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie beschreibt, dass sich der Fruchtkörper anschließend innerhalb weniger Stunden vollständig entwickeln kann. Dabei wurden Wachstumsraten von etwa einem halben bis zwei Millimetern pro Minute beobachtet.

Wie lange bleibt ein Hexenei ein Hexenei?

Eine feste Angabe wie „2–4 Stunden“ ist nicht möglich. Ist das Hexenei bereits unmittelbar vor dem Aufbrechen, kann sich daraus tatsächlich innerhalb weniger Stunden eine ausgewachsene Stinkmorchel entwickeln. Ein weniger weit entwickeltes Hexenei kann dagegen noch mehrere Tage im geschlossenen Stadium verbleiben. Wird ein sehr junges Exemplar vom Myzel getrennt, kann es sogar vorkommen, dass es sich anschließend gar nicht mehr vollständig entwickelt.

Für die Küche sollten sicher bestimmte Hexeneier deshalb möglichst frisch verwendet werden und nicht erst mehrere Tage gelagert werden. Ein nahezu reifes Hexenei kann man häufig daran erkennen, dass seine Spitze bereits relativ fest geworden ist und sich dort weniger weiche Gallerte ertasten lässt.


Wo findet man Hexeneier?

Die Gemeine Stinkmorchel bevorzugt humusreiche, gut mit organischem Material versorgte Böden. Sie ist keineswegs auf unberührte Wälder beschränkt.

Typische Fundorte sind:

  • Laub- und Mischwälder
  • Gebüsche und Waldränder
  • Parks
  • Gärten
  • humusreiche Böden
  • Bereiche mit stark zersetztem Holz oder alten Holzresten

Die Hexeneier befinden sich zunächst teilweise unter der Erde und werden während ihres Wachstums zunehmend aus dem Boden herausgehoben. Deshalb ist manchmal nur ein Teil der weißlichen Kugel sichtbar. Gerade dort, wo bereits ausgewachsene Stinkmorcheln vorkommen, lohnt sich ein genauer Blick auf den Boden in der Umgebung.


stinkmorchelWarum stinkt die Stinkmorchel später so stark?

Im Hexenei ist von dem namensgebenden Geruch noch kaum etwas zu bemerken. Das ändert sich grundlegend, sobald sich der Fruchtkörper entfaltet. Auf dem wabenartigen Kopf der Stinkmorchel befindet sich eine olivgrüne, schleimige Sporenmasse, die sogenannte Gleba. Sie produziert einen intensiven Geruch, der an Aas erinnert.

Dieser Geruch erfüllt eine wichtige ökologische Funktion: Er lockt insbesondere Fliegen und andere Insekten an. Die Tiere setzen sich auf die Sporenmasse, nehmen die klebrigen Sporen auf und transportieren sie anschließend weiter. Die Stinkmorchel verfolgt damit eine andere Strategie als viele klassische Hutpilze. Während beispielsweise Champignons oder Steinpilze ihre Sporen vor allem über die Luft verbreiten, nutzt die Stinkmorchel gezielt Tiere als Transportmittel.

Welche ökologische Bedeutung hat die Stinkmorchel?

Die Gemeine Stinkmorchel lebt überwiegend als Zersetzer organischen Materials. Ihr Myzel wächst im Boden und in Bereichen mit abgestorbenem Pflanzenmaterial und trägt dazu bei, organische Substanz abzubauen und darin gebundene Nährstoffe wieder in den Kreislauf zurückzuführen.

Interessant ist dabei die Arbeitsteilung zwischen dem unsichtbaren Myzel und dem auffälligen Fruchtkörper: Das Myzel erschließt die Nährstoffe im Boden, während der später entstehende stinkende Fruchtkörper ausschließlich der Fortpflanzung und Verbreitung der Sporen dient. Auch die Fliegen, die vom Geruch angelockt werden, sind Teil dieses Systems. Die Stinkmorchel ist daher ein gutes Beispiel dafür, dass Pilze nicht nur Zersetzer sind, sondern über ihre Fruchtkörper gleichzeitig eng mit anderen Organismen ihres Lebensraums interagieren.


Kann man Hexeneier essen?

Das sicher bestimmte Hexenei der Gemeinen Stinkmorchel gilt in seinem jungen geschlossenen Stadium als essbar. Auch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie weist darauf hin, dass Hexeneier geschält und beispielsweise ähnlich wie Bratkartoffeln zubereitet werden können. Verwendet wird vor allem der feste innere Bereich. Die äußere Hülle und die dicke Gallertschicht werden üblicherweise entfernt.

Geschmacklich unterscheidet sich das Hexenei deutlich von klassischen Speisepilzen. Häufig wird das Aroma als mild, frisch und leicht rettichartig beschrieben.

Vor dem Verzehr besonders wichtig

Nur eindeutig bestimmte Hexeneier verwenden. Junge Knollenblätterpilze können äußerlich ähnlich aussehen und sind lebensgefährlich. Der Fruchtkörper sollte deshalb vollständig längs aufgeschnitten und sein innerer Aufbau kontrolliert werden. Bei der geringsten Unsicherheit den Pilz nicht essen und eine Pilzsachverständige oder einen Pilzsachverständigen zur Bestimmung hinzuziehen.

Hexeneier in der Pfanne zubereiten

Eine der einfachsten Möglichkeiten, ein sicher bestimmtes Hexenei der Gemeinen Stinkmorchel zuzubereiten, ist das Anbraten in der Pfanne.

Hexenei aus der Pfanne

1. Bestimmen: Das Hexenei vollständig aufschneiden und sicherstellen, dass es sich zweifelsfrei um die Gemeine Stinkmorchel handelt. Bei Unsicherheit nicht verwenden.

2. Schälen: Die äußere Haut sowie die gallertartige Schicht entfernen. Übrig bleibt der festere innere Bereich.

3. Schneiden: Den festen Kern in dünne Scheiben schneiden.

4. Braten: Etwas Butter oder Pflanzenfett in einer Pfanne erhitzen und die Scheiben von beiden Seiten braten, bis sie leicht gebräunt sind.

5. Würzen: Anschließend beispielsweise mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.

Durch das kräftige Anbraten entsteht eine festere Oberfläche, während der innere Teil vergleichsweise knackig bleibt. Wegen des ungewöhnlichen, leicht rettichartigen Aromas benötigt das Hexenei nicht unbedingt eine aufwendige Würzung. Auch wenn in älterer Literatur gelegentlich der rohe Verzehr erwähnt wird, empfehlen wir bei selbst gesammelten Wildpilzen grundsätzlich eine Zubereitung durch Erhitzen.

Wann ist ein Hexenei zu alt?

Ein Hexenei ist ein Übergangsstadium. Je weiter die Entwicklung fortschreitet, desto stärker bereitet sich der Fruchtkörper auf das Aufbrechen vor. Sobald sich der Stiel bereits aus dem Ei herausstreckt oder die typische olivgrüne Sporenmasse freiliegt, handelt es sich nicht mehr um das kulinarisch verwendete junge Stadium. Kurz darauf entwickelt sich der charakteristische intensive Aasgeruch.

Für die Küche kommen daher ausschließlich frische, noch vollständig geschlossene und zweifelsfrei bestimmte Hexeneier infrage.