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Schlauchpilz

Schlauchpilze sind Pilze aus der großen Abteilung der Ascomycota. Ihr wichtigstes gemeinsames Merkmal steckt bereits im Namen: Bei der sexuellen Fortpflanzung entstehen die sogenannten Ascosporen in mikroskopisch kleinen schlauch- beziehungsweise sackförmigen Zellen, den Asci. Zu den Schlauchpilzen gehören sehr unterschiedliche Organismen: Bekannte Beispiele sind Morcheln, Trüffel und Becherlinge, aber auch zahlreiche Hefen, Schimmelpilze und die Pilzpartner der meisten Flechten.

Die zweite große Gruppe, zu der besonders viele bekannte Großpilze gehören, sind die Ständerpilze (Basidiomycota). Bei ihnen entstehen die sexuellen Sporen nicht innerhalb eines Schlauchs, sondern außen an sogenannten Basidien.

Schlauchpilz einfach erklärt

Schlauchpilz: Sexuelle Sporen entstehen typischerweise in einem Ascus.

Ständerpilz: Sexuelle Sporen entstehen typischerweise außen an einer Basidie.

Dieser mikroskopische Unterschied ist eines der wichtigsten Merkmale, mit denen beide großen Pilzgruppen voneinander abgegrenzt werden.

Schlauchpilz Speisemorchel

Was sind Schlauchpilze?

Schlauchpilze bilden die Abteilung Ascomycota und gehören zu den artenreichsten Gruppen innerhalb des Pilzreichs. Der Name leitet sich vom sogenannten Ascus ab. Dabei handelt es sich um eine mikroskopisch kleine Zelle, in der nach der sexuellen Fortpflanzung Ascosporen entstehen.

Die Vielfalt der Schlauchpilze ist enorm. Zu ihnen gehören:

  • Morcheln
  • Trüffel
  • Becherlinge
  • Lorcheln
  • zahlreiche mikroskopisch kleine Schimmelpilze
  • verschiedene Hefen
  • viele Pflanzenparasiten
  • und die Pilzpartner der großen Mehrheit der Flechten

Ein Schlauchpilz muss deshalb keineswegs wie ein klassischer Pilz mit Hut und Stiel aussehen.

Warum heißen sie Schlauchpilze?

Der deutsche Name beschreibt den Ort, an dem die sexuellen Sporen gebildet werden. Bei Schlauchpilzen entstehen die sogenannten Ascosporen innerhalb eines Ascus, die Mehrzahl lautet Asci. Unter dem Mikroskop können diese Strukturen je nach Art beispielsweise länglich, keulen- oder sackförmig wirken. Bei vielen Arten befinden sich sehr große Mengen dieser Asci auf beziehungsweise in einem speziellen Fruchtkörper.

Was ist ein Ascus?

Ein Ascus ist eine spezialisierte Zelle, in der bei Schlauchpilzen nach Kernverschmelzung und Meiose sexuelle Sporen entstehen. Diese Sporen werden Ascosporen genannt. Ein Ascus enthält bei vielen Arten typischerweise acht Ascosporen, diese Zahl ist jedoch keine allgemeingültige Regel – je nach Art und Entwicklungsablauf können auch andere Sporenzahlen auftreten.

Ascus ist nicht der gesamte Fruchtkörper

Der Ascus ist eine mikroskopische sporenbildende Zelle.

Eine Morchel besteht deshalb nicht aus „einem Schlauch". Auf ihrer fruchtbaren Oberfläche befinden sich vielmehr sehr viele einzelne Asci, in denen wiederum Ascosporen entstehen.

Wie vermehren sich Schlauchpilze?

Der Fortpflanzungszyklus kann je nach Art sehr unterschiedlich und wesentlich komplexer sein. Stark vereinfacht lässt er sich bei vielen Schlauchpilzen folgendermaßen darstellen:

Vom Myzel zur Ascospore

Myzel
wächst
→
Fruchtkörper
kann entstehen
→
Ascus
bildet Sporen
→
Ascosporen
werden verbreitet
→
Hyphen
entstehen

Keimen geeignete Sporen, entstehen neue Hyphen, die sich verzweigen und ein neues Myzel aufbauen können. Viele Schlauchpilze besitzen zusätzlich Formen der ungeschlechtlichen Fortpflanzung und können beispielsweise asexuelle Sporen bilden, sodass der vollständige Lebenszyklus je nach Art wesentlich vielfältiger ist als das vereinfachte Schema.

Schlauchpilz oder Ständerpilz – was ist der Unterschied?

Schlauchpilze und Ständerpilze gehören beide zum Reich der Pilze, unterscheiden sich jedoch insbesondere in der Bildung ihrer sexuellen Sporen. Bei Schlauchpilzen entstehen diese innerhalb von Asci, bei Ständerpilzen sitzen die Basidiosporen dagegen typischerweise außen an Basidien.

Merkmal Schlauchpilze Ständerpilze
Wissenschaftliche Gruppe Ascomycota Basidiomycota
Sporenbildende Struktur Ascus Basidie
Sexuelle Sporen Ascosporen Basidiosporen
Wo entstehen die Sporen? Innerhalb des Ascus Typischerweise außen an der Basidie
Typische Sporenzahl Häufig 8 pro Ascus Häufig 4 pro Basidie
Typische Großpilze Morcheln, Trüffel, Becherlinge, Lorcheln Champignons, Steinpilze, Seitlinge, Täublinge, Porlinge, Boviste
Typische Fruchtkörperformen Becher-, scheiben-, knollen- oder morchelartige Formen; daneben zahlreiche mikroskopische Arten Besonders viele klassische Hutpilze, Porlinge, Bauchpilze und Gallertpilze
Bekannte Beispiele Speisemorchel, Trüffel, Frühjahrslorchel, Hefen Austernpilz, Champignon, Shiitake, Steinpilz, Fliegenpilz

Hinweis: Acht Ascosporen beziehungsweise vier Basidiosporen sind häufige Grundmuster, aber keine ausnahmslosen Regeln für alle Arten.

Was sind Ständerpilze?

Ständerpilze sind Pilze aus der Abteilung Basidiomycota. Ihr Name leitet sich von der Basidie ab. An diesen mikroskopisch kleinen Zellen entstehen die sexuellen Basidiosporen gewöhnlich außen an kleinen Fortsätzen.

steinpilz-staenderpilz

Viele der bekanntesten Großpilze gehören zu dieser Gruppe. Dazu zählen beispielsweise:

  • Champignons
  • Austernpilze
  • Steinpilze und andere Röhrlinge
  • Täublinge
  • Knollenblätterpilze
  • Porlinge
  • Boviste
  • Stinkmorcheln
  • Rost- und Brandpilze

Die Bezeichnung Ständerpilz bedeutet also nicht, dass jeder Vertreter einen klassischen Hut mit Stiel besitzt.

Was ist eine Basidie?

Die Basidie ist für Ständerpilze das Gegenstück zum Ascus der Schlauchpilze. In ihr finden wichtige Schritte der sexuellen Fortpflanzung statt, anschließend werden typischerweise vier Basidiosporen außen an kleinen Fortsätzen der Basidie gebildet. Bei einem Champignon befinden sich große Mengen dieser Basidien auf den Oberflächen der Lamellen, bei einem Steinpilz befinden sie sich dagegen in der sporenbildenden Schicht innerhalb der Röhren.

Ascus oder Basidie?

Ascus: Die Sporen entstehen im Inneren der sporenbildenden Zelle.

Basidie: Die Sporen entstehen typischerweise außen an der sporenbildenden Zelle.

Genau dieser Unterschied steckt hinter den deutschen Namen „Schlauchpilz" und „Ständerpilz".

Kann man Schlauchpilze und Ständerpilze am Aussehen unterscheiden?

Manchmal liefert die Form des Fruchtkörpers einen starken Hinweis – eine allgemeine Regel gibt es jedoch nicht. Viele bekannte Pilze mit klassischem Hut und Stiel gehören zu den Ständerpilzen. Dazu zählen beispielsweise Champignons, Seitlinge und zahlreiche Röhrlinge.

Typische Groß-Schlauchpilze sehen oft deutlich anders aus:

  • Morcheln besitzen grubig-wabenartige Hüte.
  • Becherlinge bilden häufig becher- oder schüsselförmige Fruchtkörper.
  • Trüffel entwickeln knollenförmige Fruchtkörper unter der Erde.
  • Lorcheln können unregelmäßig gelappte oder sattelförmige Fruchtkörper besitzen.

Trotzdem sollte man einen unbekannten Pilz nicht allein aufgrund seiner äußeren Form einer der beiden Gruppen zuordnen. Die eigentlichen namensgebenden Unterschiede liegen im mikroskopischen Aufbau der Sporenbildung.

Welche Schlauchpilze gibt es?

Schlauchpilze umfassen wesentlich mehr als nur die auffälligen Großpilze, die man im Wald findet.

schlauchpilz-trueffel

Beispiel Form / Besonderheit Bedeutung
Speisemorcheln
Morchella spp.
Auffällig grubig-wabenartige Fruchtkörper Bekannte Speisepilze des Frühlings; nur ausreichend gegart verzehren
Trüffel
Tuber spp.
Unterirdische knollenförmige Fruchtkörper Mehrere Arten sind hoch geschätzte Speisepilze und leben als Mykorrhizapilze
Becherlinge
Pezizales
Häufig becher-, schüssel- oder scheibenförmig Große und formenreiche Gruppe von Schlauchpilzen
Frühjahrslorchel
Gyromitra esculenta agg.
Hirnartig gewundener Fruchtkörper Giftig; wichtiger Verwechslungspartner von Morcheln
Hefen Teilweise einzellig und ohne klassischen Großpilz-Fruchtkörper Einige bekannte Hefen gehören zu den Ascomycota und werden beispielsweise für Fermentation eingesetzt
Flechtenbildende Pilze Pilz lebt in enger Lebensgemeinschaft mit einem photosynthetisch aktiven Partner Die große Mehrheit der flechtenbildenden Pilze gehört zu den Schlauchpilzen

Morcheln und die giftige Frühjahrslorchel behandeln wir ausführlicher in unserer Übersicht zu Frühlingspilzen.

Sind alle Morcheln, Trüffel und Becherlinge Schlauchpilze?

Echte Morcheln der Gattung Morchella und Echte Trüffel der Gattung Tuber gehören zu den Ascomycota und sind damit Schlauchpilze. Auch die klassischen Becherlinge gehören zu dieser Gruppe.

Bei deutschen Trivialnamen ist jedoch Vorsicht sinnvoll: Ein Name, der beispielsweise „Morchel" enthält, sagt nicht zwangsläufig etwas über die systematische Zugehörigkeit aus. Die Stinkmorchel (Phallus impudicus) heißt zwar „Morchel", gehört aber zu den Ständerpilzen und ist mit echten Morcheln nicht eng verwandt.

Echte Morchel ≠ Stinkmorchel

Speisemorchel: Schlauchpilz (Ascomycota)

Stinkmorchel: Ständerpilz (Basidiomycota)

Ähnliche deutsche Namen bedeuten bei Pilzen deshalb nicht automatisch eine enge Verwandtschaft.

Sind Schlauchpilze essbar?

Die Zugehörigkeit zu den Schlauchpilzen sagt nichts darüber aus, ob eine Art essbar, ungenießbar oder giftig ist. Unter den Ascomycota befinden sich:

  • hoch geschätzte Speisepilze wie Morcheln und verschiedene Trüffel,
  • unbedeutende beziehungsweise nicht als Speisepilze genutzte Arten,
  • giftige Pilze wie die Frühjahrslorchel
  • und zahlreiche Arten, die überhaupt keine für Speisezwecke relevanten Großfruchtkörper bilden.

Dasselbe gilt für Ständerpilze: Zu ihnen gehören beispielsweise sowohl der essbare Austernpilz als auch der tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilz. Die systematische Pilzgruppe ist deshalb niemals ein Essbarkeitstest.

Enoki Ständerpilz

Welche bekannten Speisepilze sind Ständerpilze?

Sehr viele klassische Speise- und Zuchtpilze gehören zu den Basidiomycota. Dazu zählen beispielsweise:

Die Bezeichnungen Lamellenpilz, Röhrling oder Stoppelpilz beschreiben dabei vor allem unterschiedliche Formen des Fruchtkörpers beziehungsweise der sporenbildenden Oberfläche, systematisch können diese Pilze trotzdem gemeinsam zu den Ständerpilzen gehören. Einen Überblick über solche Formen findest du unter Pilzarten.

Pioppino Ständerpilz

Welche Schlauchpilze werden gezüchtet?

Auch verschiedene Schlauchpilze lassen sich gezielt kultivieren. Die Zuchtmethoden unterscheiden sich allerdings teilweise deutlich von den klassischen Substratblöcken vieler Ständerpilze.

Morcheln

Bestimmte Morchelarten werden inzwischen kommerziell kultiviert, besonders in China hat sich eine großflächige Freilandkultur entwickelt. Die zuverlässige Fruchtkörperbildung gilt jedoch weiterhin als deutlich anspruchsvoller als beispielsweise beim Austernpilz, Ertrag und Kulturerfolg können stark schwanken.

Trüffel

Echte Trüffel der Gattung Tuber sind Mykorrhizapilze. Für die Kultur werden geeignete junge Bäume, beispielsweise Eichen, Buchen oder Haselsträucher, bereits in der Baumschule gezielt mit Trüffelmyzel besiedelt. Anschließend werden diese sogenannten Trüffelbäume auf geeigneten Flächen gepflanzt, bis zur ersten möglichen Ernte vergehen in der Regel mehrere Jahre.

Hefen

Auch verschiedene wirtschaftlich bedeutende Hefen gehören zu den Schlauchpilzen. Sie werden in großem Maßstab kultiviert und beispielsweise bei der Herstellung von Brot und fermentierten Getränken eingesetzt.

Welche Bedeutung haben Schlauchpilze in der Natur?

Schlauchpilze erfüllen sehr unterschiedliche ökologische Funktionen. Viele Arten leben saprotroph und zersetzen abgestorbenes organisches Material, dadurch tragen sie zur Rückführung von Nährstoffen in natürliche Stoffkreisläufe bei. Andere Arten leben parasitisch auf Pflanzen, Tieren oder anderen Pilzen.

Wieder andere bilden Symbiosen: Dazu gehören beispielsweise die Echten Trüffel als Mykorrhizapilze sowie die zahlreichen Schlauchpilze, die gemeinsam mit Algen oder Cyanobakterien Flechten bilden. „Schlauchpilz" beschreibt deshalb die systematische Zugehörigkeit beziehungsweise Form der sexuellen Sporenbildung – nicht eine bestimmte Ernährungsweise.

FAQ zu Schlauchpilzen und Ständerpilzen

Was ist ein Schlauchpilz einfach erklärt?

Ein Schlauchpilz gehört zu den Ascomycota. Bei der sexuellen Fortpflanzung entstehen seine Ascosporen in einer schlauch- beziehungsweise sackförmigen Zelle, dem Ascus.

Was ist der Unterschied zwischen Schlauchpilz und Ständerpilz?

Schlauchpilze bilden ihre sexuellen Sporen innerhalb eines Ascus. Ständerpilze bilden ihre Basidiosporen typischerweise außen an einer Basidie. Schlauchpilze gehören zu den Ascomycota, Ständerpilze zu den Basidiomycota.

Was sind Beispiele für Schlauchpilze?

Bekannte Schlauchpilze sind Morcheln, Echte Trüffel, Becherlinge und Lorcheln. Auch zahlreiche Hefen, Schimmelpilze und flechtenbildende Pilze gehören zu den Ascomycota.

Ist eine Morchel ein Schlauchpilz?

Ja. Echte Morcheln der Gattung Morchella gehören zu den Schlauchpilzen.

Ist ein Trüffel ein Schlauchpilz?

Echte Trüffel der Gattung Tuber sind Schlauchpilze. Ihre Fruchtkörper entwickeln sich unterirdisch.

Ist ein Champignon ein Schlauchpilz?

Nein. Champignons der Gattung Agaricus gehören zu den Ständerpilzen.

Ist der Steinpilz ein Ständerpilz?

Ja. Der Steinpilz gehört zu den Basidiomycota. Die Basidien befinden sich in der sporenbildenden Schicht seiner Röhren.

Ist Hefe ein Schlauchpilz?

Viele bekannte Hefen gehören zu den Schlauchpilzen. Es gibt jedoch auch Hefen in anderen Pilzgruppen. Die Lebensform „Hefe" ist deshalb nicht automatisch mit Ascomycota gleichzusetzen.

Hat jeder Schlauchpilz acht Sporen?

Nein. Acht Ascosporen pro Ascus sind bei vielen Arten ein häufiges Grundmuster, aber keine allgemeingültige Regel. Je nach Art können andere Sporenzahlen vorkommen.

Hat jeder Ständerpilz vier Sporen?

Auch vier Basidiosporen sind ein sehr häufiges Grundmuster, aber nicht bei allen Arten zwingend.

Sind Schlauchpilze essbar?

Die Pilzgruppe allein sagt nichts über die Essbarkeit aus. Zu den Schlauchpilzen gehören sowohl wertvolle Speisepilze wie Morcheln und Trüffel als auch giftige Arten wie die Frühjahrslorchel.

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