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Kontamination

Kontamination in der Pilzzucht erkennen und vermeiden

In der Pilzzucht bezieht sich Kontamination auf das Eindringen unerwünschter Mikroorganismen wie Bakterien, Schimmelpilze oder andere Pilzarten in das Substrat oder Myzel des Zuchtpilzes. Solche Verunreinigungen können das Wachstum des gewünschten Pilzes stark beeinträchtigen und die Qualität oder sogar die Ernte insgesamt gefährden.

Da viele dieser Mikroorganismen unter denselben feuchten und nährstoffreichen Bedingungen gedeihen wie Zuchtpilze, sind Substrate und Kulturumgebungen grundsätzlich anfällig für Kontaminationen. Unsere Fertigkulturen sind aber bereits optimal vorbereitet und sterilisiert, sodass unerwünschte Mikroorganismen wenig Chancen haben, sich einzuschleichen.

Um Kontaminationen vorzubeugen, ist Sauberkeit bei der Vorbereitung und Handhabung der Substrate essenziell. Methoden wie die Pasteurisierung oder Sterilisation des Substrats vor der Inokulation verringern das Risiko von Kontaminationen deutlich, da dadurch konkurrierende Mikroorganismen abgetötet werden. Für die Hobby-Pilzzucht Zuhause ist steriles Equipment nicht notwendig. Dennoch empfehlen wir, auf saubere Zuchtbedingungen zu achten.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen können Kontaminationen vereinzelt vorkommen. Sollte das Substrat eine Veränderung in Farbe, Geruch oder Struktur zeigen, ist eine Kontamination oft schon weit fortgeschritten und erfordert schnelles Handeln. Wird eine Kontamination rechtzeitig erkannt, lässt sie sich meist noch erfolgreich bekämpfen.


Wie erkenne ich eine Kontamination?

Nicht jede Veränderung einer Pilzkultur ist automatisch eine Kontamination. Während des Wachstums kann sich das Myzel je nach Pilzart unterschiedlich dicht ausbilden, watteartig über die Oberfläche wachsen oder kleine Flüssigkeitstropfen bilden. Entscheidend ist deshalb immer das Gesamtbild aus Farbe, Geruch, Struktur und Wachstum.

Typische Warnsignale sind deutlich grüne, blaugrüne, schwarze oder ungewöhnlich rosafarbene Beläge. Auch ein stark säuerlicher, fauliger oder anderweitig unangenehmer Geruch kann auf unerwünschte Mikroorganismen hinweisen. Bei bakteriellen Kontaminationen entstehen nicht immer sichtbare Schimmelrasen. Stattdessen können sich einzelne Bereiche des Substrats auffällig nass, schmierig oder schleimig verändern.

Ein weiteres Warnzeichen ist, wenn das gewünschte Pilzmyzel an einer bestimmten Stelle plötzlich nicht weiterwächst oder von einem anders aussehenden Geflecht verdrängt wird. Besonders während der Durchwachsphase lohnt es sich deshalb, nicht nur nach Verfärbungen zu suchen, sondern auch auf ungewöhnliche Veränderungen des Wachstums zu achten.


Myzel oder Schimmel – woran erkennt man den Unterschied?

Weißer Flaum auf einer Pilzkultur sorgt besonders bei Einsteigern häufig für Unsicherheit. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei jedoch um das gewünschte Pilzmyzel. Viele Zuchtpilze bilden ein weißes bis cremefarbenes Geflecht, das sich auf der Substratoberfläche ausbreiten kann.

Folgende Merkmale helfen bei der Einschätzung:

  • Gesundes Myzel wächst meist gleichmäßig vom bereits besiedelten Bereich weiter und verbindet sich sichtbar mit dem vorhandenen Pilzgeflecht.
  • Schimmel bildet häufig einzelne, klar abgegrenzte Kolonien, die sich unabhängig vom Zuchtmyzel ausbreiten.
  • Grüne, blaugrüne, schwarze oder kräftig rosafarbene Beläge sprechen deutlich eher für eine Kontamination.
  • Gesundes Myzel riecht normalerweise angenehm pilzig bis erdig. Ein fauliger, stark säuerlicher oder stechender Geruch ist dagegen ein Warnsignal.
  • Kleine gelbliche oder bräunliche Flüssigkeitstropfen auf dem Myzel können sogenannte Guttation sein und sind für sich genommen noch kein eindeutiges Zeichen einer Kontamination.

Welche Farbe hat Schimmel auf einer Pilzkultur?

Typische Anzeichen einer Kontamination

Aussehen Möglicher Verursacher Häufige Ursache Was tun?
Grün bis dunkelgrün Häufig Trichoderma-Arten Fremdsporen aus Umgebung oder Ausgangsmaterial; begünstigt durch geschwächtes Myzel Kleine oberflächliche Stellen großzügig entfernen und beobachten; bei Ausbreitung besser entsorgen
Blaugrün bis graublau Zum Beispiel Penicillium-Arten Sporen aus Luft und Umgebung, hohe Feuchtigkeit oder langsam wachsendes Myzel Befallene Stelle nicht verteilen; kleinflächigen Befall entfernen und Entwicklung kontrollieren
Schwarz Zum Beispiel Aspergillus-Arten oder andere Schimmelpilze Kontaminiertes Substrat oder nachträglich eingetragene Sporen Kultur möglichst wenig bewegen; bei stärkerem oder zunehmendem Befall entsorgen
Rosa bis rötlich Unter anderem Fusarium-Arten möglich Fremdpilze im Substrat oder nachträgliche Kontamination Nicht allein anhand der Farbe bestimmen; bei zunehmendem Fremdwachstum Kultur entsorgen
Nass, glasig oder schleimig Häufig bakterielle Kontamination Zu viel Feuchtigkeit, verunreinigtes Material oder eingeschleppte Bakterien Feuchtigkeit prüfen; bei starkem Geruch oder zunehmender Schleimbildung entsorgen
Weißer, gleichmäßiger Flaum Meist gewünschtes Pilzmyzel Normales Myzelwachstum Kein Eingreifen notwendig, sofern keine weiteren Auffälligkeiten auftreten

Die Farbe allein reicht nicht aus, um einen Schimmelpilz sicher zu bestimmen. Entscheidend sind immer auch Wachstum, Struktur, Geruch und die Entwicklung der betroffenen Stelle.

Die Tabelle dient daher vor allem zur Orientierung. Für die praktische Pilzzucht ist meist wichtiger, ob sich eine fremde Kolonie ausbreitet, als die exakte Art des unerwünschten Mikroorganismus zu bestimmen.

Grüner Schimmel auf der Pilzkultur

Grüner Schimmel gehört zu den häufigsten sichtbaren Kontaminationen in der Pilzzucht. Besonders häufig sind verschiedene Arten der Gattung Trichoderma beteiligt. Charakteristisch ist, dass die Kolonie anfangs noch weiß erscheinen kann und sich erst bei zunehmender Sporenbildung grün verfärbt.

Das kann die Unterscheidung vom gewünschten Pilzmyzel erschweren. Auffällig wird eine Trichoderma-Kontamination häufig dadurch, dass sich innerhalb eines zuvor weißen Bereichs plötzlich intensiv grüne Flecken bilden und diese relativ schnell größer werden.

Kleine, oberflächlich begrenzte Stellen können bei einer bereits etablierten Pilzkultur manchmal großzügig entfernt werden. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Kontamination beseitigt ist: Das unerwünschte Pilzgeflecht kann bereits tiefer im Substrat vorhanden sein, obwohl an der Oberfläche zunächst nur eine kleine Stelle sichtbar ist.


Bakterielle Kontamination – wenn kein Schimmel zu sehen ist

Nicht jede Kontamination wird von einem sichtbaren Schimmelrasen begleitet. Auch Bakterien können sich im Substrat vermehren und das Wachstum des Pilzmyzels beeinträchtigen.

Typisch können ungewöhnlich feuchte, glasige oder schleimige Stellen sein. Gleichzeitig wächst das Pilzmyzel in den betroffenen Bereichen häufig nur schwach oder gar nicht weiter. Besonders auffällig ist oft der Geruch: Ein stark säuerlicher, fauliger oder unangenehm gäriger Geruch passt nicht zu einer gesunden Pilzkultur.

Gerade bei Körnerbrut können betroffene Körner feucht oder schmierig wirken und sich deutlich vom sonst weiß durchwachsenen Material unterscheiden.

Was bedeutet ein ungewöhnlicher Geruch?

Der Geruch ist ein hilfreiches zusätzliches Merkmal bei der Beurteilung einer Pilzkultur. Gesundes Myzel besitzt üblicherweise einen pilzigen, erdigen oder je nach Pilzart charakteristischen Eigengeruch.

Ein abweichender Geruch bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Kultur verdorben ist. Verschiedene Pilzarten können unterschiedlich riechen und auch während der Durchwachsphase verändert sich der Geruch teilweise.

Deutlich faulige, stechende, gärige oder stark säuerliche Gerüche sollten jedoch aufmerksam machen – insbesondere dann, wenn gleichzeitig das Myzelwachstum stagniert, das Substrat ungewöhnlich nass wirkt oder sich schleimige Stellen bilden.

pilzkontamination


Kann eine kontaminierte Pilzkultur noch gerettet werden?

Ob sich eine Kultur weiterverwenden lässt, hängt vor allem davon ab, wie groß der Befall ist, wo er sich befindet und ob er nach einer Entfernung erneut auftritt.

Eine kleine, klar begrenzte Stelle an der Oberfläche einer bereits kräftig durchwachsenen Fertigkultur ist anders zu beurteilen als Schimmel, der sich während der Durchwachsphase an mehreren Stellen innerhalb des Substrats ausbreitet.

Bei einem sehr kleinen oberflächlichen Befall kann es sinnvoll sein, die betroffene Stelle mit einem sauberen Messer großzügig zu entfernen. Anschließend sollte geprüft werden, ob die Kultur möglicherweise zu nass steht, zu wenig Frischluft erhält oder Pilzreste vom vorherigen Erntezyklus auf dem Substrat verblieben sind.

Eine Garantie, dass der Schimmel damit vollständig entfernt wurde, gibt es jedoch nicht. Sichtbarer Schimmel ist nur der Teil einer Kontamination, der an der Oberfläche erkennbar ist. Hat sich der Fremdpilz bereits tiefer im Substrat ausgebreitet, kann er nach einigen Tagen erneut sichtbar werden.


Wann sollte eine Pilzkultur besser entsorgt werden?

Spätestens wenn sich eine Kontamination großflächig ausgebreitet hat, nach dem Entfernen immer wieder zurückkehrt oder an mehreren Stellen gleichzeitig erscheint, sollte die Kultur nicht weiterverwendet werden. Auch ein stark unangenehmer Geruch in Verbindung mit schleimigen oder faulenden Bereichen spricht dafür, dass sich unerwünschte Mikroorganismen bereits im Substrat etabliert haben.

Eine solche Kultur sollte möglichst nicht direkt neben anderen Pilzkulturen geöffnet oder bearbeitet werden. Gerade bei stark sporulierendem Schimmel besteht sonst die Gefahr, die Sporen in der Umgebung und auf anderen Kulturen zu verteilen.

Verbrauchte oder stark kontaminierte Pilzsubstrate können aufgrund ihrer organischen Bestandteile in der Regel über die Biotonne oder – sofern örtlich erlaubt und geeignet – über den Kompost entsorgt werden.