Austernpilze auf Kaffeesatz züchten

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Hawlik GmbH Pilzbrut

In der Natur sind Pilzarten wie der Austernseitling gewissermaßen die Müllabfuhr mit integrierter Recyclingabteilung, denn sie zersetzen verschiedenste organische Abfälle und nutzen die daraus gewonnenen Nährstoffe für die Fruchtkörperbildung. Diese Eigenschaft macht man sich in der Pilzzucht zunutze, indem man den Pilz gezielt auf organischem Material ansiedelt.

Der Austernpilz ist dabei ein echtes Ausnahmetalent, denn er kann grundsätzlich auf einer erstaunlichen Vielfalt von Materialien wachsen. Für die Pilzzucht sind davon besonders Holz und Stroh interessant, aber auch auf Kaffeesatz kann der Edelpilz sprießen. Unglaublich, aber wahr – tatsächlich lassen sich leckere Speisepilze auf den Überresten des morgendlichen Kaffees züchten. Das ist nicht nur faszinierend, sondern ganz nebenbei auch nachhaltig. Es lohnt sich also gleich doppelt, sich diese spannende Zuchtmethode näher anzusehen.


Kaffeesatz-Pilze – Welche Arten sind geeignet?

Die Pilzzucht auf Kaffeesatz ist einfacher, als man denkt. Damit der Anbau gelingt, ist aber die Wahl der Pilzsorte entscheidend, denn nicht jede Art kann auf diesem Substrat wachsen. Besonders geeignet ist neben dem Austernpilz sein enger, gelber Verwandter: der Limonenpilz.

Die beiden Zuchtpilze aus der Gattung der Seitlinge sind unter Züchtern und Pilzkennern bekannt für ihr schnelles und aggressives Wachstum. Diese Eigenschaft sorgt für zuverlässige und schnelle Ernteergebnisse, die kleinere Fehler problemlos verzeihen können.

Um die Pilze auf Kaffeesatz anzusiedeln, brauchst du Pilzdübel - diese sind grob mit Gemüsesamen vergleichbar. Dabei handelt es sich um konventionelle Holzdübel, die aber mit dem Myzel des Pilzes durchwachsen sind. Sobald sie in Kontakt mit geeignetem Material kommen, breitet sich das feine Pilzgeflecht von den Dübeln in das gesamte Substrat aus.


Pilze auf Kaffeesatz züchten – Das brauchst du

Bevor du mit der Zucht starten kannst, solltest du neben den Pilzdübeln auch einen herkömmlichen Desinfektionsspray aus dem Drogeriemarkt besorgen. Diesen brauchst du, um eine möglichst sterile Wachstumsumgebung für deine Pilze zu schaffen. Denn vor allem in den ersten Wochen ist der kaum von Myzel besiedelte Kaffeesatz sehr anfällig für Bakterien und Schimmelpilze.

Aus diesem Grund wird in der professionellen Pilzzucht besonderes Equipment verwendet, das vollkommen sterile Bedingungen schafft. Für die Hobby-Pilzzucht sorgt aber eine gewissenhafte Verwendung des Desinfektionssprays schon für vollkommen ausreichende Ergebnisse. Gewöhne dir hier am besten von Anfang an, deine Hände und alle Kontaktflächen immer zu besprühen, bevor du an deinem Kaffeesatz-Pilzsubstrat weiterarbeitest.

Wenig überraschend brauchst du auch etwas Kaffeesatz für dein Zuchtprojekt. Achte hier immer darauf, ausschließlich tagesfrisches Material zu verwenden. Alter Kaffeesatz trägt ein hohes Risiko von Schimmelpilzen und kann schnell für einen Totalausfall bei deinem Projekt sorgen. Arbeite daher lieber mit den geringen täglich anfallenden Mengen, statt zunächst eine größere Menge zu sammeln.

Zusätzlich brauchst du einige Behälter für deine Pilzzucht, also Vorratsgläser, Dosen, Boxen oder kleine Kübel aus Kunststoff oder Glas. Bestenfalls haben diese gleich einen luftdicht verschließbaren Deckel. Mit Frischhaltefolie und einem Gummiband kannst du diesen aber auch einfach ersetzen. Für die erste Phase benötigst du kleine Behälter mit ungefähr 200 ml Füllvolumen. In diesen lässt du zunächst Myzel auf einer geringen Menge Kaffeesatz heranwachsen. Dadurch erhältst du ein leistungsstarkes Pilzgeflecht, das im nächsten Schritt schnell größere Mengen Kaffeesatz durchwachsen kann.

Für den finalen Zuchtbehälter kannst du die Größe frei wählen. Wenn du ungeduldig bist und schnell Ernteergebnisse sehen willst, verwende lieber ein Füllvolumen von 1-2 Litern. Bist du hingegen eher auf beeindruckendere Erntewellen aus, für die du auch bereit bist, längere Zeit zu warten, so kannst du auch einen Kübel mit 5-10 Litern oder sogar noch mehr wählen. Bei dieser Wahl macht es auch Sinn abzuschätzen, wie viel Kaffeesatz überhaupt bei dir anfällt.

Zuletzt kannst du dir noch einen Löffel bereitlegen, mit dem du den Kaffeesatz sauber verarbeiten kannst.


Pilze aus Kaffeesatz gewinnen – So legst du deine Pilzbrut an

Sobald du alles vorbereitet hast, kann es schon losgehen. Wir empfehlen dir, mehrere Pilzkulturen parallel anzulegen. So macht es dir keine Probleme, falls eine der Kulturen doch ausfallen sollte – und wenn sich alle Kulturen gut entwickeln, kannst du die Dauer bis zur Fruchtungsphase damit stark verkürzen.

Die Menge der initialen Myzel-Kulturen kannst du je nach Erfahrung und Vorlieben frei variieren. Für den ersten Versuch machst du mit 2-3 Exemplaren aber garantiert nichts falsch. Benutze dafür die kleinen vorbereiteten (und gut desinfizierten) Gläser: Fülle sie etwa zu einem Viertel mit frischem Kaffeesatz, drücke einige Pilzdübel hinein und fülle ein weiteres Viertel Kaffeesatz auf.

Bei der Menge der Pilzdübel gilt: Viel hilft viel! Je mehr Dübel du verwendest, desto geringer ist das Ausfallrisiko – und desto schneller geht es. „Zu viele“ Pilzdübel gibt es hier also nicht. Etwa 10 Dübel je Glas sollten aber in jedem Fall ausreichend sein.

Verschließe deine Pilzkulturen nach dem Anlegen mit einem Deckel oder Frischhaltefolie und stelle sie an einem warmen Platz (bestenfalls 20-25°C) auf. Tageslicht spielt für diesen Schritt noch keine Rolle und wird daher nicht zwingend benötigt. Wenn das Beimpfen des Kaffeesatzes funktioniert hat, siehst du hier schon nach 3-4 Tagen erste Myzelfäden und nach 7-10 Tagen sollte der gesamte Kaffeesatz mit weißem Geflecht überzogen sein.

Ein dichter weißer Flaum ist hierbei übrigens kein Grund zur Sorge – dabei handelt es sich um sogenanntes Luftmyzel. Dieses ist ein gutes Zeichen und spricht dafür, dass deine Kultur schon bereit für den nächsten Schritt ist.


Austernpilze auf Kaffeesatz selber züchten – So lässt du deine Pilzkultur fruchten

Wenn deine Pilzkulturen mit Myzel durchwachsen sind, kannst du sie in den größeren Behälter umsiedeln. Desinfiziere hierfür zunächst wieder Hände, Behälter, Arbeitsfläche usw. und gib dann etwa die gleiche Menge frischen Kaffeesatz wie vorbereitete Pilzbrut in den Behälter. Typischerweise ist der Kaffeesatz in den kleinen Dosen bzw. Gläsern bereits fest miteinander verwachsen, verwende daher am besten einen Löffel, um das Substrat in grobe Stücke zu lösen. Das Myzel beschädigst du hierdurch übrigens nicht.

Vermische nun das bestehende mit dem neuen Substrat gründlich, verschließe den Behälter und stelle ihn wie gewohnt auf. Die Dauer des nächsten Schrittes variiert sehr stark je nachdem, welche Behältergröße du gewählt hast. In jedem Fall wird jetzt solange Kaffeesatz hinzugegeben, bis entweder der Behälter voll ist oder bis du ungeduldig wirst und endlich ernten möchtest. Wir empfehlen dir, 1-2 mal wöchentlich eine Portion frischen Kaffeesatz hinzugegeben.

Wenn bei dir täglich nur eine geringe Menge an Kaffeesatz anfällt, kannst du auch öfter neues Substrat dazugeben. Achte dabei nur darauf, deinem Pilz immer wieder genug Zeit zu geben, alles gut zu durchwachsen. Wenn du hier zu ungeduldig bist und zu schnell oder zu oft Kaffeesatz hinzugibst, kann es zu einer Kontamination kommen, die im schlimmsten Fall einen Totalausfall verursacht.

Grundsätzlich gibt es keine Mindestmenge an Kaffeesatz, die erreicht werden muss, ehe Fruchtkörper wachsen können. Der Kaffeesatz bringt aber die Nährstoffe, die der Pilz zum Wachstum braucht – je mehr Nährstoffe, desto mehr Ernte! Zur Orientierung: Die Bioeffizienz bei dieser Zuchtmethode liegt zwischen 10 % und 25 %. Das heißt, bei einem Kilogramm Kaffeesatz erntest du etwa 100-250 Gramm Pilze.

Wenn das Substrat vollständig mit Myzel durchwachsen ist, lässt sich die Fruchtungsphase oft schon in wenigen Tagen einleiten. Stelle dein Pilzsubstrat dafür an einen hellen Platz mit 12-18 °C (Austernpilze) bzw. 16-24 °C (Limonenpilze und entferne den Deckel bzw. die Folie. Ideal wäre ein Standort mit 70-90% Luftfeuchtigkeit, regelmäßiges Besprühen und Anfeuchten der Pilzkultur kann das aber gut ausgleichen. Innerhalb von kurzer Zeit zeigen sich dann zahlreiche Fruchtkörperansätze, die in etwa 3-5 Tagen zur Erntereife heranwachsen.

Übrigens: Wird kein oder zu wenig Kaffeesatz hinzugegeben, kann es sogar passieren, dass die Pilzkultur diesen Schritt für dich übernimmt und im verschlossenen Behälter Fruchtkörper bildet.


Pilze aus Kaffeesatz ernten – Ernte- und Ruhephase

Grundsätzlich bildet der Pilz im Kaffeesatz so lange Fruchtkörper, bis die Nährstoffe im Substrat verbraucht sind. Das kann vereinzelt schon nach der ersten Ernte der Fall sein, wenn diese besonders groß ausgefallen ist. In den meisten Fällen können aber noch weitere 1-2 Erntephasen durchlaufen werden. Damit diese Phasen überhaupt eintreten können, ist die richtige Pflege deiner Pilzkultur aber entscheidend.

Nach der Ernte muss sich das Pilzmyzel zunächst für einige Tage bis Wochen erholen, ehe neue Fruchtkörper sprießen können. Da die geernteten Pilze etwa zu 90 % aus Wasser bestehen und dieses nun im Substratinneren fehlt, muss zunächst neue Feuchtigkeit zugegeben werden. Steche oder drücke dafür einfach von oben Löcher in den Kaffeesatz und gieße frisches Wasser darauf. Achte darauf, dass keine Staunässe entsteht und dass der Kaffeesatz nicht verschlammt.

Die benötigte Wassermenge deines Substrats richtet sich nach der Erntemenge. Wiege diese einfach ab und verwende im Verhältnis 1:1 die entsprechende Menge an Wasser. Konkret bedeutet das: Bei einer Ernte von 250 g Pilzen braucht deine Pilzkultur auch etwa 250 ml Flüssigkeit. Wenn der Kaffeesatz nicht genug Wasser aufnehmen kann, kannst du die Gesamtmenge auch in kleinere Portionen auf mehrere Tage aufteilen.

Um deine Pilzkultur während der anhaltenden Ruhephase vor Austrocknung zu schützen, kannst du sie entweder zunächst wieder abdecken oder regelmäßig mit frischem Wasser besprühen. Es ist wichtig, hier die richtige Balance zu finden, denn nur bei richtiger Feuchtigkeit im Substratinneren kann eine neue Erntewelle gut gedeihen.


Häufige Anfängerfehler: Pilze im Eimer züchten

Anlegen der Pilzkultur: Die Kaffeesatz-Zuchtmethode ist besonders anfällig für Schimmelkontaminationen – wer einmal vor dem Urlaub vergessen hat, den Kaffeesatzbehälter zu leeren, kann das nur zu gut nachvollziehen. Das sollte man nicht unterschätzen und stets gewissenhaft alle Kontaktflächen desinfizieren. Die beste Desinfektion hilft aber nichts, wenn zu alter Kaffeesatz verwendet wird. Schimmel- und Zuchtpilz konkurrieren stets um das Substrat, stelle daher immer sicher, dass das Pilzmyzel die Oberhand behält.

Ernte: Für Einsteiger ist es oft schwierig, den richtigen Zeitpunkt für die Ernte zu finden. Erntet man zu früh, fällt der Ertrag niedriger aus, erntet man zu spät, schütten die Fruchtkörper große Sporenmengen aus und der Pilz verliert an Geschmacksqualität. Grundsätzlich gilt: Ernte lieber etwas zu früh als zu spät, denn der Gesamtertrag deiner Pilzkultur richtet sich nach dem Gewicht, nicht etwa nach Erntewellen oder der Menge von Pilzen. Konkret heißt das, dass in der folgenden Wachstumsphase mehr Pilze wachsen, wenn du in der ersten Welle geerntet hast, als die Fruchtkörper noch etwas zu klein waren. Du verlierst also effektiv keinen Ertrag.

Oft wird bei der Ernte nicht (gewissenhaft) darauf geachtet, dass keinerlei Fruchtkörperreste am Kaffeesatz zurückbleiben. Austern- und Limonenpilze wachsen in der Regel aus einem gemeinsamen „Strunk“, der ziemlich fest im Substrat verankert ist. In vielen Fällen bleibt dieser bei der Ernte zurück und wird nicht weiter beachtet, da er für Speisezwecke ohnehin nicht brauchbar ist. Dies kann aber zu einem echten Problem werden, denn nach dem Entfernen der Fruchtkörper wird er zum perfekten Nährboden für Schimmel, der dann auf die ganze Pilzkultur überspringen kann.

Ruhephase: Man unterschätzt schnell, wie viel Feuchtigkeit die Pilzkultur durch die vorangehende Wachstumswelle tatsächlich verloren hat. Und auch die Verdunstung entzieht dem Substrat über längere Zeit einiges an Wasser. Besonders an einem Standort mit niedriger oder mittlerer Luftfeuchtigkeit (< 60 %) kann das einen echten Unterschied machen. Wie oft und viel die Pilzkultur besprüht oder gegossen werden soll, variiert sehr stark je nach Standort, Behälter, Dauer usw. Daher ist es hilfreich, über die Zeit ein eigenes Gefühl für die richtige Feuchtigkeit zu entwickeln, um entsprechend reagieren zu können. Als Orientierung: Der Kaffeesatz sollte etwa so feucht wie frische Blumenerde sein – wird er bröselig, rissig oder Ähnliches ist er deutlich zu trocken!


Fazit: Pilze auf Kaffeesatz züchten – lohnt sich das?

Auch wenn diese Zuchtmethode im kommerziellen Pilzanbau praktisch keine Anwendung findet, ist sie für Hobbyzüchter sehr spannend. Dabei geht es nicht nur um den Ernteertrag, den man von Grund auf in seiner Entwicklung vom Myzel bis zum Fruchtkörper begleitet, sondern auch um die Faszination, täglich die rasante Entwicklung der eigenen Pilzkultur beobachten zu können. Pilzzucht auf Kaffeesatz bringt echte DIY-Freude – auch, aber nicht nur für Hobby-Gärtner.

Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Das eigene Kaffeesatz-Experiment ist ein unglaublich spannender Begleiter zuhause, im Büro oder im Verein. Es braucht kaum Aufwand, verleitet aber dennoch immer wieder dazu, die Entwicklung des Pilzes zu beobachten. Und nach einiger Zeit kannst du dich dann über erntefrische Edelpilze aus 100 % eigenem Anbau freuen – ein echtes DIY-Erfolgserlebnis!

Auch die Nachhaltigkeit sollte man hier nicht vergessen: Startest du zeitversetzt mit 2-3 parallelen Pilzkulturen, kannst du deinen anfallenden  Kaffeesatz-Abfall vollständig recyclen und in aromatische Speisepilze verwandeln – ganz ohne großen Aufwand, besonderes Equipment oder Expertenwissen.

Wenn du jetzt auf den Geschmack eigener Kaffeesatz-Pilze gekommen bist, kannst du gleich loslegen und alle Schritte kurz zusammengefasst in unserer Anleitung nachlesen!

Wir wünschen dir viel Freude, Erfolg und eine leckere Pilzernte!