Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zum Menü springen
Gratis Versand ab 30 € (DE) Heute bestellt – werktags morgen versandt PayPal Klarna Apple Pay Google Pay

Schopftintling

schopftintling

Schopftintling im Überblick

Wissenschaftlicher Name Coprinus comatus
Familie Champignonverwandte (Agaricaceae)
Essbarkeit Jung ein beliebter Speisepilz
Saison Etwa April bis November
Typischer Standort Wiesen, Wegränder, Gärten und andere nährstoffreiche Böden
Erkennungsmerkmale Weißer, länglicher Hut mit abstehenden Schuppen; verfärbt sich mit zunehmendem Alter rosa bis schwarz und zerfließt schließlich
Besonderheit Die Fruchtkörper sind sehr kurzlebig und lösen sich bei der Sporenreife teilweise in eine schwarze, tintenartige Flüssigkeit auf

Fruchtkörper des Schopftintlings

Der Pilz des Jahres 2024 

Der Schopftintling (Coprinus comatus), regional auch Spargelpilz, Porzellantintling oder Tintenpilz genannt, ist ein weit verbreiteter Großpilz. In Europa kommt er häufig vor und gilt jung – solange sein Hut noch geschlossen und die Lamellen weiß sind – als ausgezeichneter Speisepilz. Allerdings ist er nicht lange haltbar, denn ältere Exemplare beginnen nach der Sporenreife buchstäblich zu zerfließen: Der Pilz verdaut sich selbst und löst sich vom Hutrand ausgehend in eine tintenartige schwarze Flüssigkeit auf. Wegen dieser ungewöhnlichen Eigenschaft trägt er den Namen Tintling.

Die austretende „Pilztinte“ wurde früher tatsächlich als Schreibflüssigkeit verwendet. Der Schopftintling wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sogar zum Pilz des Jahres 2024 ernannt – auch um auf seine spannende Biologie und ökologische Rolle aufmerksam zu machen.

Merkmale des Schopftintlings

Typisch für den Schopftintling ist der langgezogene, anfänglich zylindrisch-eiförmige Hut mit weißen bis cremefarbenen, aufstehenden Schuppen. Die Hutoberfläche reißt beim Wachsen in diese groben Schuppen auf, darunter kommt weißes, dünnes Fleisch zum Vorschein. Ein ausgewachsener Schopftintling erreicht eine Höhe von etwa 10 bis 20 cm; der Stiel ist weiß, schlank und hohl und trägt einen schmalen, häutigen Ring, der allerdings bei älteren Pilzen unauffällig sein kann.

Die Lamellen stehen dicht gedrängt, sind jung reinweiß und verfärben sich im Alter über Rosa zu Schwarz. Schließlich beginnt vom Hutrand her ein nahezu unheimlicher Vorgang: Hut und Lamellen verflüssigen sich durch Autolyse zu einer tintenschwarzen Masse. Übrig bleibt oft nur ein zerfaserter Hutrest auf dem Stiel. Diese schwarze Flüssigkeit enthält die Sporen des Pilzes; sie tropft zu Boden und dient der Sporenverbreitung. Sogar Insekten wie Fliegen werden von der Pilztinte angelockt, fressen daran und transportieren so die Sporen weiter.

Schopftintling erkennen

Bei der Bestimmung des Schopftintlings ist vor allem interessant, wie stark sich sein Erscheinungsbild innerhalb kurzer Zeit verändert. Junge Fruchtkörper wirken häufig noch fast geschlossen und länglich, während sich der Hut später zunehmend öffnet. Auch der Ring am Stiel kann sich im Laufe der Entwicklung lösen und verschieben.

Deshalb lohnt es sich, bei der Bestimmung nicht nur auf die Hutfarbe zu achten, sondern mehrere Merkmale gemeinsam zu betrachten. Dazu gehören die auffällige Schuppung des Hutes, der schlanke und hohle Stiel sowie die Veränderungen der Lamellen während der Reifung. Gerade diese Kombination macht den Schopftintling in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium meist recht charakteristisch.

Lebensraum und Lebensweise

Der Schopftintling ist kein typischer Waldpilz, sondern besiedelt bevorzugt offene, nährstoffreiche Böden. Man findet ihn vom späten Frühjahr bis in den Herbst an Wegrändern, auf Wiesen, in Parks und Gärten, gelegentlich auch an Waldrändern.

Besonders auf gedüngten Rasenflächen in Siedlungsnähe tritt er mitunter massenhaft in Erscheinung. Je nach Nährstoffangebot erscheinen die Fruchtkörper einzeln, in Gruppen oder in ganzen „Hexenringen“ mit dutzenden bis hunderten Exemplaren zugleich.

Der Schopftintling lebt saprotroph, das heißt er ernährt sich von abgestorbenem organischem Material wie Humus oder Pflanzenresten im Boden. Sein unterirdisches Myzel wirkt dabei als „Recycler“ und zersetzt Laub und andere organische Abfälle.

Bemerkenswerterweise kann dieser Pilz aber auch räuberisch leben: Das Myzel bildet winzige Fangorgane bzw. Schlingfallen, mit deren Hilfe es kleine Fadenwürmer (Nematoden) im Boden einfängt und unbeweglich macht. Anschließend dringen die Pilzfäden in den Wurm ein und verdauen ihn. Diese ungewöhnliche Fähigkeit als fleischfressender Pilz ist im Pilzreich selten und verschafft ihm einen Vorteil auf nährstoffarmen Böden.

Speisewertigkeit des Schopftintlings

Junge, noch geschlossene Schopftintlinge mit schneeweißen Lamellen sind essbar und werden von Kennern sogar als Delikatesse geschätzt. Ihr Fleisch ist zart und hat ein mildes Aroma. Manche vergleichen den dezenten Geschmack und die Form mit Spargel, was dem Pilz den Beinamen Spargelpilz eingebracht hat.

In der Küche lassen sich Schopftintlinge ähnlich wie Champignons verwenden – etwa in Butter gedünstet oder als Suppeneinlage. Wichtig ist allerdings, dass die Pilze sehr frisch verarbeitet werden: Am besten wandern sie unmittelbar nach dem Sammeln in die Pfanne. Schon innerhalb weniger Stunden nach der Ernte können selbst junge Exemplare anfangen, sich schwarz zu verfärben und zu zerfließen. Sobald sich der Hut ausbreitet oder die Lamellen rosa zu schwärzen beginnen, ist der Pilz nicht mehr genießbar. Auch die Stiele verwendet man meist nicht, da sie eine zähe, spargelholzige Konsistenz besitzen. Damit ist der Schopftintling praktisch nur für private Pilzsammler interessant.

Im Gegensatz zu einigen anderen Tintlings-Arten ist der Schopftintling ohne besondere Einschränkungen genießbar. Er enthält zwar geringe Mengen des Stoffes Coprin, der in Kombination mit Alkohol zu heftigen Unverträglichkeitsreaktionen führt. Die Konzentration im Schopftintling ist jedoch relativ niedrig.  

Allerdings kann der giftige Graue Faltentintling mit dem Schopftintling verwechselt werden und wegen seiner hohen Coprin-Konzentration bei gleichzeitigem Alkoholkonsum schwere Vergiftungen auslösen. Er besitzt einen glatten, graubraunen Hut mit radialen Falten statt der typischen Schopf-Schuppe. Ein geübter Blick auf die Hutoberfläche und Farbe der Lamellen reicht meist aus, um die Arten auseinanderzuhalten.

Der Schopftintling ist einer der wenigen wild wachsenden Speisepilze, die kultivierbar sind. In Asien wird der Schopftintling darüber hinaus als Heil- und Vitalpilz geschätzt. Insbesondere in der Traditionellen Chinesischen Medizin schreibt man ihm diverse gesundheitsfördernde Wirkungen zu – so soll er den Blutzuckerspiegel senken, die Verdauung anregen und generell das Immunsystem stärken können. Diese medizinischen Aspekte sind wissenschaftlich noch nicht gesichert, tragen aber zu seinem Ruf als vielseitiger Vitalpilz bei.

Wo und wann findet man Schopftintlinge?

Schopftintlinge gehören zu den Pilzen, die von nährstoffreichen und häufig auch vom Menschen beeinflussten Standorten profitieren. Deshalb erscheinen sie nicht selten an Stellen, an denen der Boden regelmäßig gedüngt, umgegraben oder anderweitig verändert wurde.

Typisch ist außerdem, dass die Fruchtkörper nicht unbedingt einzeln erscheinen. Bei günstiger Bodenfeuchtigkeit können innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Schopftintlinge gleichzeitig aus dem Boden wachsen. So kann es zu großen Pilzgruppierungen kommen, die das Pilzsammler-Herz höher schlagen lassen! Nach ergiebigem Regen lohnt es sich deshalb besonders, bekannte Fundstellen erneut zu kontrollieren – neue Fruchtkörper können sich sehr schnell entwickeln.

Wann ist der Schopftintling essbar?

Beim Schopftintling ist nicht nur die richtige Artbestimmung entscheidend, sondern auch der Zeitpunkt der Ernte. Das gilt zwar gewissermaßen für alle Speisepilze, beim Schopftintling ist es aber ganz besonders ausschlaggebend. Die Fruchtkörper entwickeln sich ausgesprochen schnell weiter und sind deshalb deutlich weniger lagerfähig als beispielsweise Champignons oder Austernpilze.

Wer Schopftintlinge für die Küche sammelt, sollte sie möglichst jung ernten und direkt nach dem Sammeln verarbeiten. Auch im Kühlschrank lässt sich der Reifungsprozess nur begrenzt verlangsamen. Für längere Lagerzeiten oder einen Transport über mehrere Tage eignet sich der Pilz daher kaum.

Schopftintling und Alkohol – darf man beides kombinieren?

Die häufig zu lesende Warnung, Tintlinge grundsätzlich nicht zusammen mit Alkohol zu verzehren, lässt sich nicht pauschal auf alle Tintlingsarten übertragen. Bekannt ist die sogenannte Coprin-Alkohol-Reaktion insbesondere vom Faltentintling.

Beim Schopftintling gehört diese Reaktion dagegen nicht zu den charakteristischen Eigenschaften der Art. Die Unterscheidung der verschiedenen Tintlinge ist deshalb auch in diesem Zusammenhang wichtig. Bestehen Zweifel an der sicheren Bestimmung eines gesammelten Pilzes, sollte grundsätzlich auf den Verzehr verzichtet werden.

Warum zerfließt der Schopftintling zu „Tinte“?

schopftintling-timelapse

Das Zerfließen ist nicht einfach ein Zeichen dafür, dass der Pilz „verfault“, sondern Bestandteil seiner natürlichen Entwicklung. Während die Sporen heranreifen, werden Teile des Hutes und der Lamellen nach und nach enzymatisch abgebaut.

Durch diesen schrittweisen Abbau erhalten die reifen Sporen ausreichend Platz, um aus den Lamellen freigesetzt zu werden. Die dabei entstehende dunkle Flüssigkeit hat dem Schopftintling und seinen Verwandten schließlich ihren deutschen Namen eingebracht. Der Vorgang kann so schnell ablaufen, dass ein morgens noch vollständig erhaltener Fruchtkörper bereits wenige Stunden später deutlich verändert aussieht.

Kann man Schopftintlinge züchten?

Anders als viele klassische Wildpilze ist der Schopftintling grundsätzlich kultivierbar. Das ist möglich, weil er für sein Wachstum keine Symbiose mit den Wurzeln eines bestimmten Baumes benötigt (sog. Mykorrhiza). Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie führt Coprinus comatus entsprechend auch unter den kultivierbaren Speisepilzen.

Im kommerziellen Speisepilzanbau spielt der Schopftintling trotzdem (beinahe) gar keine Rolle. Der Grund liegt vor allem in den extrem kurzlebigen Fruchtkörpern: Nach der Ernte setzt sehr schnell die Reifung und schließlich die typische Auflösung des Hutes ein. Während sich beispielsweise Champignons oder Austernpilze gut lagern und transportieren lassen, eignet sich der Schopftintling kaum für längere Handelswege. Die DGfM weist ebenfalls darauf hin, dass er wegen seiner schnellen Verderblichkeit üblicherweise nicht als Speisepilz vermarktet wird.